Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 9
- Article
- [Rezension] / M.
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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856 Recensionen und Anzeigen. moderne Reform des Judenthums zu Felde zu ziehen. Sie wird nach Hess vor allem dadurch charakterisirt,.׳dass sie die nationalen Erinnerungen zu verwischen strebt und vom Judenthume nur die allgemeinen Wahrheiten bestehen lassen will. Da nun nach Hess das Allgemeine kein Leben und keine Lebensfähigkeit hat, ohne den realen Boden des Volksthums und der Nationalität, so weiss er von der Reform nur zu sagen, dass sie an der Auflösung des Judenthums arbeite. Auch das sei ein Standpunkt, meint er, den er zwar nicht einnehmen, in den er sich aber versetzen könne. Was ihm schwieriger werde einzusehen, das sei der Widerspruch derjenigen Reformatoren, die zugleich für die Aufklärung in dem von ihm bezeichneten nivellistischen Sinne, d. h. für die Auflösung des Judenthums und zugleich für dessen Beruf in der Zerstreuung, d. h. für dessen Fortbestand schwärmen. Besprechen wir endlich seine Schätzung der heutigen Culturvölker. Der Gradmesser für die Höhe der socialen Bildung, auf welcher ein Volk steht, ist ihm das Verhältnis8 dieses Volkes zu den fremden Elementen, die unter ihm sich befinden. Der natürliche (rohe) Zustand ist der Zustand der Feindseligkeit unter den verschiedenen Racen, der Racenantagonismus. Die Cultur muss diesen Antagonismus überwinden. Dasjenige Volk demnach, in welchem der Fremde sich am heimischesten fühlt, documentirt am unzweideutigsten, dass es auf der Höhe der socialen Bildung steht. Hess steht nun nicht an, in dieser Rücksicht dem französischen Volke die Palme zu reichen. Denn ״die grosse Nation“ ertheilt nicht blos nach einer bestimmten Zeit des Aufenthaltes und unter gewissen sich von selbst verstehenden Bedingungen jedem Fremden die grosse Naturalisation, d. h. nimmt ihn vollständig unter ihre Bürger auf, sondern sie weiss auch nichts von innerer Antipathie gegen unter ihr lebende fremde Elemente, wie er das namentlich den Deutschen glaubt zum Vorwurfe machen zu müssen. . Der Verfasser ist keineswegs blind für die weltgeschichtliche Bedeutung der germanischen Race, so wenig wie für ihre wissenschaftlichen Verdienste, aber er glaubt, dass sie in politisch-socialer Beziehung seit dem Zeitalter der Reformation oder genauer nach Hess seit dein Bauernkriege, Rückschritte gemacht und die Fähigkeit der Initiative verloren hat. Doch wir wollen den Gegenstand nicht