Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 342 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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342 : Dr. Bernhard Beer. •/־. \ und sie bedingen! ״Liebe den Ewigen deinen Gott von ganzem./ Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen" ward ja kurz vorher als höchstes Gebot verkündet. Ein, Wesen, dem ich blosgehorche, weil ich es fürchte, weil dessen gewaltige Thaten mir Schrecken einflössen, wie vermochte ich es so innigst zu 116ben!? — Dieser das höchste Wesen zugleich liebende und fürchtende Sinn darf aber nicht als unbestimmtes, dunkles Gefühl sich kundgeben; klares Bewusstsein muss vielmehr von vornherein daran sich knüpfen.. Auf dem ״Altäre des Gemüths" erzeugt, muss die Flamme sogleich die Höhe suchen und das ge- . sammte geistige Vermögen des Menschen erfassen. Dies ist das; Kennzeichen wahrer Gottesfurcht. So heisst es auch (Mal. 3, 16): ״Den Gottesfürchtigen und denen,, die seinen Namen den- . kend achten" (״ •(ולחשבי שכלךGotterkenntniss mit Gottesfurcht gepaart, so dass Gottesfurcht aus ihm athme" sind die hohen ’ Eigenschaften, welche Jesaias3 .2 ,11) ־) seinem: Ideale beilegt! Und wie könnte auch die in den biblischen Urkunden em- , pfohlene Gottesfurcht ein minder würdiger Begriff sein (der, wie Manche wahnen, unter einer späteren anderen Anschauung : nicht mehr als Religionsprincip vorangestellt sei), da ja Gott durchweg als heiligstes Wesen zu verehren geboten wird (״seid; :י heilig, denn ich, der Ewige, euer Gott, bin . heilig," (Lev. 19, 2); ein Wesen, das mithin nur das Gute will, von dem gar nichts Böses ausgeht, das wir zu fürchten hätten. Alles Uebel liegt vielmehr in uns, ist Folge unserer sündlichen Begierden, die wir aber beherrschen können und sollen (Gen. 4, 7). Anstatt der Furcht vor Strafe soll darum nach der religiösen Anschauung des Judenthums als erste Stadie die ״Furcht vor Sünde" (יראת חטא)', treten, von wo aus der Mensch zur innigsten und überzeugungsvollsten Ehrfurcht Gottes sich erheben wird (vgl. auch L. Heller zu Sota Ende). —- So vergleicht ein Talmudist (Abot , d. R. Nath. c. 22) die Furcht vor der Sünde mit dem Handwerkszeuge, das vor Beginn der Arbeit zur Stätte gebracht sein! muss. Legt nun der Werkmeister kräftig Rand an, hat er sich, mit wahrer. Gottesfurcht durchdrungen, so wird er den religiosen Bau segensreich vollenden! ~ Wie die ״Furcht vor der Sünde" Ausgangspunkt aller religiösen Ueberzeugung, so• ist jene edlere in Liebe sich betätigende Gottesfurcht zugleich Ziel und Gipfelpunkt aller Religion. Die Vorschriften und Gere-