Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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340 Dr. Bernhard Beer. die •gläubige Annahme Alles dessenwas Grosses und Wanderbares׳ von Gott und den Männern, die er auserwählt hat, uns erzählt wird. — Wie aber muss der Glaube beschaffen sein, um als wahrhaft-religiöser Ausdruck zu gelten? Auf welchen Säulen־ muss er ruhen, um .im Stande zu sein, den Zweifeln, die von so manchen Seiten gegen ihn andringen und sein Bollwerk zu zerstören drohen, widerstehen•, zu können? Genügt blosses Fürwahrhaitender Glaubenssätze ohne weitere Prüfung, oder ist. eine durch Vernunftthätigkeit zu vermittelnde nähere Begrün düng erforderlich? Im erste ren Falle, welches Wahrzeichen stellt sich mir dar, dass mein Glaube der richtige sei; welche Schutzwehr hütet, mich vor den Abwegen sinnlosen Wahnglaubens oder gefährlichen Aberglaubens? — Im anderen Falle aber, soll nämlich die menschliche Forschung noch hinzutreten müssen, um die Lehrsätze des Glaubens zu bestätigen oder zu verwerfen, auf welche Weise ist dann die Klippe zu vermeiden, dass nicht unversehens der Glaube in blosse kalte Vernunffcspeculation übergehe? — Jedenfalls bildet sonach der Glaube an sich nach keiner Seite hin ein selbstständiges und volle Gewähr bietendes Element, um als wahrhaft religiöser Ausdruck zu gelten. Die Geschichte der Religionen zeigt zur Genüge, welche Irrsale und Schrecknisse der blosse, ungeprüfte Glaube .hervorgerufen hat! — Bios dann erblicken wir den Glauben ,,als .Engel Gottes auf der Stufenleiter gen Himmel,44 wenn er sich auf den Fittigen des. Vertrauens zu uns herablässt und im Schoosse der Erkenntniss seinen Sitz nimmt. ,,Ich verlobe mich dir durch Vertrauen und dass du Gott erkennest,44 ruft, die Prophetenstimme־ aus (Hos. 2, 22). Vertrauen in die Redlichkeit des Mittheilenden, Zuversicht in die Macht und den Willen des Verh.eiss enden, seine Zusagen erfüllen zu können und• zu wollen, das sind allerdings die Grundlagen des Glaubens; die Heb Erzeugung aber, dass die zu glaubenden Thatsäeben im Bereiche denkbarer Möglichkeit liegen, bestimmt die Grenzen, welche der Glaube nie verlassen darf. (Vergl. Aibö, Iccarim I, 19 u. 22.) Ist nun gl ei chwohh die Vernunft ein Geschenk Gottes, deren Aussprüchen wir folgen mögen zur Erläuterung und Bericht!־ gung. mancher durch den Glauben angeregten Vorstellungen, so genügt sie;, allein doch nicht, um das Göttliche in uns nicht blos