Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bernhard Beer. 339 sert hierüber ein neuerer philosophischer Dogmatiker, ״dass die Sprache zu arm und unzulänglich sei, zur Bezeichnung des Urkeims der Religion; wir müssen uns daher mit Analogien behelfen!“ — Aber — sehen wir uns nach dem Judenthume um; in ihm finden wir seit Jahrtausenden schon das Zauberwort klar und deutlich ausgesprochen, das die Quelle und Essenz aller Religion, das die Seelenregung nennt, die uns durchdringen muss, wenn wir religiös sein wollen! Folgen Sie mir, w. Freund, jetzt einen Augenblick die Stufenleiter hinan, die, mit der Spitze gen Himmel gerichtet, in unserem Inneren sieh erhebt! — Fünf Sprossen sind'es, die wir an derselben gewahren, oder, ohne Bild zu sprechen, auf fünferlei Weise gibt sich das Religiöse im Menschen kund. Erstlich als Furcht vor etwas Gewaltigem, als Angst und. Scheu vor einem mächtigen Wesen, dessen Strafe man fürchtet und deshalb Alles auf bietet, es zu besänftigen (יראת חעלנש)• — Zu dieser Furcht gesellt sich bald Hoffnung auf Lohn und Vergeltung. ״Das allmächtige Wesen wird, wenn wir seinen uns geoffenbarten Willen vollziehen, den wohlverdienten Lohn dafür uns gewiss nicht vor enthalten;" in dieser Erwartung sucht man sich ihm gefällig zu erweisen, gleichwie einem Mächtigen, von dem man Gutes für erzeigte Dienste erheischt (עכלרר, על 18 — •(מנת לקבל פרסt nun allerdings die Hoffnung auf Vergeltung zu sehr in der Natur des Menschen — als eines vernünftig-sinnlichen Wesens — begründet, um solche ganz abzuweisen; bleiben darum edle und gottgefällige Handlungen auch dann noch verdienstlich, selbst wenn sie aus diesem Impulse hervorgingen, so bekundet doch der blosse Hinblick auf Lohn bei Ausübung der That eine niedere Entwickelungsstufe religiöser Anschauung. (Vgl. L. Heller zu Abot I, 3.) — Doch der Gesichtskreis erweitert sich; der Mensch fühlt endlich seihst, wie kindisch und unwürdig jene Furcht, wie beschränkt und selbst-, süchtig jener Thatendrang ״um des Lohnes willen“ war. Keines von Beiden kann also der rechte Ring sein, ihn mit Gott zu verbinden! — Ein neuer Factor tritt nun auf, um das Göttliche in uns zum Bewusstsein zu bringen: der Glaube. Nicht geradehin Furcht vor Strafe, nicht blosse Hoffnung auf Vergeltung regen jetzt zur Vollziehung des göttlichen Willens an, sondern