Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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338 Dr. Bernhard Beer. Männer der Vorzeit ganz derselben Meinung huldigten und ebenfalls durch ihre Schriften dahin wirkten, die Cereinonien in ״echter, gediegener Bedeutung“ erkennen zu lassen.“ ״Das, was Geist und Gedanken geschaffen und in einer langen Reihe von Jahrhunderten hindurch mit Hülfe des Griffels zu etwas Th atsächli ehern, Bestehendem um gewandelt haben,^ woran Glaube und Gewohnheit, Sitten und Bräuche, freudige und herbe Erinnerungen so mancherlei sich knüpften , woraus Zustände und Verhältnisse hervorgingen* die auf Leben und Beschäftigung gar gewaltigen Einfluss übten, — das Alles ist zu sehr Eigenthum des Individuums geworden, als dass es sich hinwegbannen Hesse, gleichsam wäre es nie dagewesen. Willkiirliche Gemeinsprüche‘von ״sich überlebt haben,“ von einem ״verworrenen Chaos unfruchtbarer Gegenstände“ und dergleioben Redensarten, werden allerdings die Bequemlichkeitsliebe reizen, die Neuerungssucht anziehen, aber ein tieferer Sinn legt darauf noch kein Gewicht; er erkennt seihst in dem scheinbar Abgeschiedenen noch den Lehensfunken und mühet sich, zur hellen Flamme ihn wieder anzufachen. Wissenschaft ist 'Leben!■“ ״Von den vorzüglichsten Denkern bis in die neueste Zeit herab — schliesst er endlich — ist darüber gestritten worden, wo eigentlich die Quelle aller Religion im Menschen zu suchen sei: oh im Verstände oder im Herzen, in der Erkenntniss oder in der Empfindung, oder ob in Beiden gemeinsam. Welches ist die Seelenthätigkeit, die sich zuerst und hauptsächlich äussert, um die daraus hervorgehende Stimmung eine religiöse nennen zu können? Durch welche innere oder äussere Manifestirung gibt sich die Religiosität eigentlich in uns kund? Oder, um mich״־verständlicher zu fassen, welches ist das Kennzeichen, dass die Gesinnungen, die uns beseelen, die Gemiithsbewegungen, die uns erfüllen, die Thaten, die wir ausüben, religiöser Natur seien? Besteht die Religiosität im Glauben oder im Denken, im Fürchten oder im Lieben, im Wissen oder im Thun? Oder herulit sie auf Etwas, das jene Seelenfunetionen und TTätigkeiten erst durchdringen muss, wenn sie religiösen Charakter an sich tragen sollen? In diesem Fälle, wie nennt man aber dieses Etwas in uns, dem wir so viel Beseligendes, Erhebung zu Gott und Ewigkeit verdanken? ־— Wohl nicht ganz mit Unrecht äus-