Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829276-2829286-2858932--07086-2858992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Dr. Bernhard Beer. 335 genommen werden. Die erhabenen Lehren und Wahrheiten des Judenthums, die Gesinnungen und Empfindungen, die es einflösst, die Handhabung und Ausbildung seiner auf Heiligung des practischen Lebens hinzielenden Gesetze, das ist und bleibt das Wesen, und der eigentliche Gegenstand des jüdischen Wissens als solches. Neubelebender und schöpferischer Geist, der von ihm gewichen war, sollte wieder hineinkommen, aber kein fremder Geist es beherrschen. Eine mehrtausendj!ihrige Geschichte hat gezeigt, dass fremde Principien und Anschauungen an sich im Judenthume niemals heimisch werden konnten. In den Fällen, wo es schien, als spiegelten sich fremde Anschauungen in den einheimischen Doctrinen ab, da waren es im Grunde.gar keine fremdartige, sondern sie unterschieden sich von den ureigenen meist nur durch die Art, wie die. Menschen zu deren Erkenntniss gelangt waren, durch manches Spezielle in der Auffassung and Ausführung und durch das Gewand der Darstellung. Gewissermassen eine unbewusste Ahnung dieser Wahrheit liegt in der alten Sage, welche der •platonischen und arlstotelischen Philosophie ihren Ursprung in jüdischen Quellen finden lässt. War ja der Kernpunkt jener Philosophie, insofern sie auf ein höchstes absolutes Wesen hinwies und auf sittliche Veredelung der Menschen drang, auch im Judenthume gewurzeit; nur dass diese Sätze hier als ״göttlich-geofienbart“ und dort als ,,vernunftmässig erkannt66 hervortraten. Natürlich, dass manche dm Grunde doch nur secundäre Vorstellungen von aussen hereinkamen und zeitweilig Kaum gewannen. Zeigte sich jedoch bei näherem Lichte ihre Heterogenität, so vermochten sie sich nicht zu behaupten und sie identificiren sich nicht mit dem Judenthume. Entweder sie wurden, wie manche platonisehe Anschauungen, mystisch verarbeitet, zu einer Geheimlehre potehzirt, als solche aber von dem gesunden Sinne des Volkes nie als vollgültige religiöse Do et rin angesehen, oder man pfropfte sie in vollem Bewusstsein ihres fremden Ursprunges künstlich auf die jüdische Lehre. Dies war bekanntlich mit vielen ambisch-aristotelischen Lehrsätzen der Fall, welches Verfahren jedoch sodann als Ausartung erkannt und nicht nur vom religiosen, sondern auch vom philosophischen Standpunkte als wahrheitswidrig gemissbilligt wurde. (Vgl. Peripot Dur an im Maasse Ephod, initgetheilt und erläutert von M. Lonsano im Dereeh