Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Dr. Bernhard Beer. Anschauungen, ihren klaren, verständlichen Ausdruck gefunden, nicht etwa blos als Producte grübelnder Vernunft, sondern als Ausfluss des höchsten Geistes, dem Menschengeiste mitgetheilt und von diesem menschlichen Geiste traditionell fortgetragen, mit dem inneren Bewusstsein, dass hier die höchste fassbare Wahrheit sei!? —- Sie haben gesehen, dass es im Wesen und Beruf anderer Religionen nicht lag, den Geist und seine Mittheilung zum Träger der höchsten Wahrheiten zu machen, dass jene andere Mittel wählten und fanden, um die Menschen nach ihrer Weise zur Sittlichkeit und Gottesfurcht zu erziehen. Diese Mittel haben auch Grosses gewirkt, so lange der Menschengeist gleichsam in den Schatten der Phantasie und dämmernder Gefühle sich verborgen hatte; aber seitdem Denken und Wissen aus ihrem Verstecke hervorbrachen und der menschliche Geist wieder selbstständig zu arbeiten begann, wie verlassen stehen da jetzt nicht die Gefilde der Religion, wie sehr nahmen Materialismus und Atheismus ׳überhand, dass sie zuletzt das ganze Gebäude der bürgerlichen Gesellschaft zu erschüttern bedroheten? Der menschliche Geist, zum Bewusstsein gekommen, sucht nur wieder im menschlichen Geiste Interpretation der höchsten religiösen Probleme. Wo sollte er sie aber finden? In den Systemen der Philosophen! Diese führten zum Th eile nur vom Ziele ab, zum Tb eile waren und sind sie dem schlichten Verstände nicht klar genug. — Es muss daher ein Bedürfnis8 für jeden geistig Gebildeten sein, dem die Wahrheiten der Religion um ihrer selbst willen, zur eigenen Klarwerdung, zur Veredelung seines Gemüths und zur Verbreitung allgemeiner innerer Sittlichkeit, wirklich am Herzen liegen, nach einem Schriftenthume sich hinzuwenden, das eben, wie kein anderes, ein specifisch-religiöses ist, welches die wichtigsten religiösen Wahrheiten nicht als Philosopheme und nicht als Phantasiestücke oder als blosse Gefülilsergüsse hinstellt, sondern sie als Thatsachen geistiger Ueberzeugung gibt, sie zum Mittel- und Kernpunkte hat, aus welchem unzähliche Pflanzen ״zur Lust für die ■Augen und angenehm zur Betrachtung," Erzeugnisse der ׳.unerschöpflichen und unerschlaffbaren Thätigkeit des Geistes hervorspriessen, darum sich schlingen und ranken." ״Nicht in dem Wesen -- sagt er weiter — oder dem Princip e der jüdischen Wissenschaft sollte eine Veränderung vor-