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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 9 · p. Seite 330

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 9
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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330 Dr. Bernhard. Beer.. Nichts destoweniger will auch das Christenthnnm die geistigsittliche Erhebung der Menschheit erzielen, und seine Hoffnungen sind auf einige geistige Zukunft gerichtet. Um aber diese Aufgabe zu vollbringen und zur Religion des Geistes sich wirklieh zu potenziren, wird es manches Materielle und Exclusive, Anklänge seiner früheren Phasen, abzustreifen haben. So sind z. B. Begriffe von einem ,,christlichen Staate,“ der andere Glaubensbekenner von gewissen Rechten ausschliesst, Auswüchse des heidnischen Volksparticularismus, ganz folgewidrig auf den geistig-universalen Boden verpflanzt, den zu bebauen das Christenthum sich bestrebt; dergleichen Anschauungen sind daher Rückfälle zu seinem materiellen Ausgangspunkte, Der Islam stehet gewissermassen im Gegensätze zum Christenthume. Sein Ausgangspunkt war rein geistig, Gott ist ihm ein einziges, unsichtbares Wesen, das nicht in einer Körpergestalt, sondern durch Propheten, also geistig, sich offenbarte; aber diese Auffassung ward nicht consequent durchgeführt, materielle Mittel wurden zur Ausbreitung der Lehre angewendet, und die Anschauung der Zukunft ist materiell. Die Literatur des Islams, so nothwendig sie daher auch zur Darstellung seiner geistigen Begriffe gehörte und so bedeutend sic in den ersten Jahrhunderten nach seinem Entstehen war, konnte sich darum doch auf diesem Höhepunkte nicht erhalten, sondern musste, wie die Lehre, die sie reproducirte, in materielle Stagnation versinken. Das Judenthum hingegen beginnt nicht nur damit, ein höchstes geistiges Wesen — Gott— als Princip alles Seins hinzustellen, es hält nicht nur consequent daran fest, diesem hochsten Wesen in Wirklichkeit alle und jede körperlichen Attribute abzusprechen und jede bildliche Vorstellung von demselben abzuweisen, sondern es erkennt auch als Art und Weise, wie Gott dem Menschen sich offenharte, wie er seine Gebote, das sind die Pflichten, die der Mensch zu beobachten hat, kundthat, blos die geistige an. Wie konnte aber das, was der Geist dem Geiste mittheilte, anders eine Form erhalten, als in Worten, und diese, wie anders aufbewahrt werden, als in Schriften? Die göttliche Lehre, die heilige Schrift, als Inbegriff der wichtigsten Wahrheiten und Lehren, die der menschliche Geist vom hochsten Geiste empfangen hat, also gewissermassen der in Worten

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