Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension] / M.
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen und Anzeigen. 319 sicht von einem göttlichen Plane in der Geschichte ist eine dem jüdischen Volke unter allen Völkern des Alterthums so ausschliesslich zukommende Erkenntniss, dass der Verfasser sich berechtigt glaubt, das Wesen des Judenthums geradezu als ein national-humanitär es zu bezeichnen. Er will damit etwa Folgendes sagen: Die anderen Culturvölker des Alterthums, vor allen die Griechen, als der klassische Ausdruck des dem Judenthume entgegengesetzten Wesens, gaben sich dem Genüsse und der Betrachtung der vollendeten Schöpfung und ihrer Mannigfaltigkeit hin, sie verehrten das Sein, nicht .das Werden* die Natur, nicht die Geschichte. Das Judenthum hatte al» lein von allen Völkern des Alterthums einen Geschichtscultus, d. h. es erkannte Gott nicht blos in der seienden Natur, sondem auch in der werdenden Geschichte. Darum ist das Judenthum, obgleich antik, nicht antiquirt. Denn wenn die Tendenz der Neuzeit nach Hess dahin geht, durch neidlosen Wetteifer aller frei gewordenen und frei sich entwickelnden Nationalitäten das höchste Ziel der Weltgeschichte, den ״Geschichtssabbat," d. h. die Vollendung der socialen (humanen) Lebens- Sphäre zu erreichen, so hat dem Judenthums diese Idee eines Geschichtssabbats in seiner Messiaslehre von vornherein zu Grunde gelegen. Man wird begreifen, dass mit der eben entwickelten Bedeutung, welche die Nationalität oder die Race für den Verfasser hat, das Religiöse losgelöst vom Nationalen für ihn etwa die Bedeutung hat, die einer Pflanze zukommt, wenn sie von ihrem mütterlichen Boden entfernt wird. Nicht also blos das Judenthum, sondern überhaupt jede Religion hat nach Hess keine geschichtliche Zukunft, wenn sie sich nicht auf baut auf die ״natürliche" Basis eines Volkes als Trägers derselben. Seine Religion der Zukunft gestaltet sich demnach so, dass alle Völker einen Geschichtscultus haben werden. Fragen wir den Verfasser: Wie steht es dann mit der .messianischen Idee einer allgemeinen Gottesverehrung, so sieht er, so scheint es, diese Allgemeinheit nicht in einer absoluten Gleichheit der Gülte, sondern in einer solchen Gleichheit, die es nicht ausschliesst, dass jedes Volk in individueller (nationaler) Ausprägung einen Gott, den Gott, wie ihn am frühesten das Judenthuin erkannt hat, verehrt. Die Nothwendigkeit, eine solche in-