Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension] / M.
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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320 Notizen. dividuelle Ausprägung der Culte anzunehmen, liegt für ihn in seiner uns schon bekannten Annahme, dass das Menscherigeschlecht nicht ursprünglich eines ist, sondern erst durch die Arbeit der Geschichte eins wird. (Fortsetzung folgt.) Notizen. Wenn im Juniheft (S. 222) das Schweigen des jüdischen Abgeordneten Gr. Ko sch bei Gelegenheit der berüchtigten Rede des Herrn v. Bethmann-Hollweg bedauert wurde, so freuen wir uns, dieses Bedauern als ungegründet bezeichnen zu können. Der Minister hatte am 4. März gesprochen, auf Antrag des Dr. Kosch und anderer Abgeordneten wurde der Schluss der Debatte abgelehnt und die Fortsetzung auf den andern Tag verschoben. Kosch hatte sich als Redner für diesen Tag ein geschrieben; doch in Folge des Hagen’schen Antrags wurde, wie bekannt, am 5. März die Kammer vertagt und endlich ganz aufgelöst. — Fand nun Kosch diesmal nicht Gelegenheit, für Glauben und Glaubensgenossen einzutreten, so manifestirte er seine Gesinnung, und dass er nicht scheue, sich als Jude zu geriren, in folgenden, in der Sitzung vom 1. Juli bei der Debatte über die Sutro’sche Petition und die Petition jüdischer Assessoren gesprochenen Worten: ״Diese Petition habe schon oft dem Hause Vorgelegen; dass sie heute wieder vorliege, sei ein Beweis dafür, dass unsere Verfassung noch lange nicht eine Wahrheit sei. Der Rechtsgrundsatz: gleiche Pflichten, gleiche Rechte, habe allerdings Eingang in unsere Verfassung gefunden; die Wirkung dieses Grundsatzes fehle noch. Er müsse mit freudiger Anerkennung von den Rescripten der früheren Minister des Innern und der Finanzen sprechen, aber die Rescripte des Cultusministers und der Justiz existirten heute leider noch und seien geeignet, das Rechtsbewusstsein des Volkes zu verwirren. Gegen diese Rescripte seien die Petitionen gerichtet. Er als Jude wolle hier laut und öffentlich vor dem ganzen Lande Einspruch gegen die Verletzung seiner und seiner Glaubensgenossen Rechte erheben und von dem Abgeordneten-Hause die Herstellung derselben fordern. ״Unser Recht ist auch Ihr Recht und indem Sie unser Recht