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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 8 · p. Seite 306

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 8
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 306 (sequence 22)
Language
German
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306 Dr. Bernhard Be ex*. 868 wahr ist, so kann doch davon ein Vorwurf gegen die Juden nicht hergenommen werden. Gewiss würden die Juden, wenn ihre Gesetze so weit hinter den christlichen zurückständen, als es grösstentheils von den Gegnern der Juden behauptet wird, auch in politischer Beziehung zurückstehen, ebenso auch in moralischer und religiöser Beziehung. Allein wenn man Gelegenheit gehabt hat, das Urtheil derjenigen zu hören, welche in naher Berührung mit der jüdischen Bevölkerung gewesen sind und sich noch in naher Berührung mit derselben befinden, so wird ein solches Urtheil durch Nichts gerechtfertigt. Ich habe von vielen Christen gehört, die sich unter Juden aufgehalten haben, dass sie in rechtlicher und moralischer Beziehung eben so gute Menschen gefunden haben, als unter den Christen; ich habe gehört, dass sie die Gesetze eben so gut halten wie die Christen; ich habe ferner gehört, dass es bei ihnen eben so wenig und eben so viele Verbrecher gibt, als bei den Christen. Beurtheilt man also die Qualität der jüdischen Religion nach dein Erfolge, welchen sie auf die Juden hat, so kann man durchaus nicht zu dem Resultate gelangen, dass sie viel schlechter sei als die christliche .... Man hat auch finden wollen, dass die Juden ganz andere Menschen geworden seien als die Christen. Ich muss gestehen, dass ich mich bei näherer Erörterung dieses Umstandes von seinem Grunde nicht überzeugen kann. Ich sehe die grössten Geister unserer Nation im engsten Bunde mit Juden; der scharfsinnigste aller Deutschen, Lessing, wandelte Hand in Hand mit Mendelssohn, der grösste unserer deutschen Philoso״ phen, Kant, wandelte Hand in Hand mit Marcus Herz. Ich glaube, dass die Nation, die fähig ist, solche Männer wie Mendelssohn und Herz hervorzubringen, gewiss auch fähig ist, in politischer Beziehung den Christen wenigstens allmälig gleichgestellt zu werden. Es ist zu erwähnen, dass sich die Zahl derjenigen Männer unter den Juden, welche sich grosse Verdienste um Kunst und Wissenschaft erworben haben, nicht nur auf die Genannten beschränkt, sondern dass sich ihre Zahl von Jahr zu Jahr vermehrt hat. Man kann sagen, es gibt keine Tugend, keine Kunst,

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