Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 8 · p. Seite 305

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 8
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 305 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829276-2829285-2858824--07012-2858890
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Qr. Bernhard Beer. 305 das sehr natürlich; es stehet ihr alles das entgegen, was verwandten Fragen auf anderen Gebieten der Gesetzgebungspolitik entgegenstehet. Auch diese ■Frage der Humanität und der Politik ist nämlich in ewigem Zwiespalt mit Vorurtheilen, Corporationsgeist und Privilegien. Natürlich lassen sich diese Dinge nicht so schnell beseitigen, es kostet Kampf, denn die Wahrheit und das Recht gehen nur aus Kampf hervor. Daran ist nicht zu.zweifeln, dass diese Frage eine jener grossen Fragen ist, welche die Gegenwart bewegen, und dass sie mit den übrigen stehet und fällt. Es ist mit den übrigen Fragen der Zeit genau dasselbe Verhältniss und dieser Zusammenhang aus der Geschichte zu erweisen. Sowie sich, abgesehen von ausländischen Zuständen, auch in Deutschland seit 1813 die anderen Fragen der Freiheit und der Emancipation geregt haben; sowie sie damals mit Versprechungen grossgezogen worden sind und später wieder Rückschritte eiirtraten; sowie mit dem Jahre 1830 die Erwartungen der Völker auf’s Neue sich steigerten, um später wieder herabzusinken, so ist es auch mit der Judenfrage gegangen.“ Auf den von den Gegnern gemachten Einwurf, die Petenten kämen zu zeitlich, da erst 1838 das neuere Gesetz erlassen worden sei und man noch nicht habe beurtheilen können, ob das Gesetz diejenigen Wirkungen geäussert habe, welche man sich bei seiner Fertigung von ihm versprochen, entgegnete der Abgeordnete Schumann: ״Deshalb möchte ich nicht die Beschwerden der Petenten für ungeeignet erklären, denn bei einer Erörterung und Vergleichung des Gesetzes mit der Lage der Juden stellt sich klar heraus, dass diejenigen, welche der ihnen in Aussicht gestellten völligen Emancipation auf der Bahn des Gesetz es folgen wollen, dabei gewiss oder doch wahrscheinlieh zu Grunde gehen müssen. Man hat einen Grund gegen die Petenten von ihrer Religion und Religionsgesetzen hernehmen wollen. Ich muss aufrichtig bekennen, dass ich mich von dem Grunde eines solchen Einwandes nicht überzeugen kann. Was die Religion der Juden anlangt, so macht man ihr den Vorwurf, dass sie sehr weit hinter der christlichen zurückstehe. Wenn ich zugebe, dass die•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.