Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 19)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. 303 seinen Freuden zurückgab. Beer’s unermüdliche Lust an Reisen — er unternahm fast jedes Jahr eine grössere Reise und besuchte ausser Deutschland fast den ganzen Westen Europa’s — zeigte deutlich, dass seine Studien der lebendigen Empfänglichkeit für die unmittelbare göttliehe Offenbarung in der Natur nicht Abbruch gethan. Doch fand auch die gelehrte Forschung auf diesen Reisen ihre Rechnung; es wurden die seltensten Werke aufgesucht und erworben, auch auf den Bibliotheken zu Paris, das Beer mehreremal besuchte, Leyden und München, Manuscripte und Incunabeln verglichen. Neue Anstrengungen erwarteten den aus Italien Heimkehrenden. Die Kammern waren im November 1842 wieder eröffnet worden; die Gemeinde, der der Landtag 1838 nur unbedeutende Erleichterungen gebracht hatte, übergab auf Beer’s Anregung den Kammern eine von demselben verfasste Petition um Abstellung der beschwerendsten Be- Schränkungen. Obenan stand die Bitte, die Juden mögen von den bürgerlichen Ehrenrechten, als dem Stimmrechte bei der Wahl der Vertreter der Gemeinde, der Wählbarkeit zu städtischen Aemtern n. 8. w., nicht ferner ausgeschlossen bleiben; die anderen Punkte betrafen Beschränkungen, die die Juden Sachsens in jeder freieren Regsamkeit, selbst auf dem Gebiete des Handwerkes, hemmten. Die Gemeinde hatte zwar in der öffentlichen Meinung an Achtung gewonnen; allein auf der Waage industrieller Interessen wiegen moralische Motive nicht schwer, darum durfte nur wenig verlangt werden: die Bitte um vollständige Emancipation wäre kaum zur Debatte gelangt. Und auf welche Hindernisse stiess selbst diese in den bescheidensten Sehranken gehaltene Petition! Der mercantilische Fanatismus, der fast noch bedauerlicher als der religiöse, da er, in der Selbstsucht und dem Eigennutz wurzelnd, der fortschreitenden Bildung und Verbreitung hellerer Ideen nicht weicht, flackerte wieder auf und verstieg sich zu der im Munde eines Abgeordneten bis zu der, wir wollen nicht sagen dem Juden, sondern der 0Öffentlichkeit gegenüber die Kammer entehrenden Aeusserung: er wünsehe die Gemeinde nicht vermehrt, sondern vermindert. 23*