Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 18)
- Language
- German
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302 I)r. Bernhard Beer. geistig wie materiell aufgemuntert und zur Wissenschaftliehen Laufbahn herangezogen worden waren. Wie schmerzlieh wurde nun die Gemeinde berührt, als eine lebensgefährliche Krankheit ihn in der Mitte seines Wirkens abzurufen drohete! Er erkrankte im Jahre 1841 in Folge seiner unausgesetzten Thätigkeit und war zehn Wochen an das Schmerzenslager gefesselt. Seine Freunde umstanden ihn in banger Angst vor der, wie es schien, nahen Auflösung; nur die seelenstarke hingebende Gattin verlor nicht den Muth, sie wachte mit unausgesetzter Sorgfalt zehn Wochen an dem Krankenlager und ihre zärtliche Pflege führte die Genesung herbei. Doch blieben manche tiefe Spuren zurück, die sich zunächst in einer Schwäche der Augen fühlbar machten. Dieses Leiden, von dem er nicht genas, behinderte ihn besonders an trüben Wintertagen an seinen Studien, auch konnte er nur des Abends durch einen 'Vorleser seine Forschbegierde befriedigen; doch sein geistiges Leben blieb frisch und ungebrochen, seine der 0Öffentlichkeit übergebenen Aufsätze und Werke tragen nicht das leiseste Zeichen der physischen Mühseligkeiten an sich, mit denen der Autor zu kämpfen hatte. — In dem darauf folgenden Jahre unternahm Beer in Begleitung seiner Gattin eine Reise über die illyrische Alpenkette nach Italien und der Schweiz. Auch im Jahre 1844 bereiste er die Schweiz, woselbst er Alpenpartien im Berner Oberlande machte, das Chamounixthal besuchte, über Genf, Lyon nach Lunel, Avignon, Narbonne, den einstigen altehrwürdigen Sitzen jüdischer Gelehrsamkeit, ging, zu Marseille längere Zeit zum Gebrauche der Seebäder verweilte, die Pyrenäen bestieg und über Bordeaux und Paris in die Heimat zurückkehrte. Beer’s frischer Sinn für Naturschönheiten hatte hier wunderbare Erquikkung gefunden, die wohlthuend auf sein inneres Leben wirkte nnd ihn, gestärkt an geistiger und physischer Kraft, bei Strafe des Gefängnisses kein Jude betreten durfte) in Gegenwart des Königs über thierischen Magnetismus und Somnambulismus. Der König drückte nach beendigter Vorlesung die Zeichen des wohlwollenden Beifalles dem Vorlesenden aus.