Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 16)
- Language
- German
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SOO ' Dr. Bernhard Beer. Opposition mitunter ein sie rechtfertigendes Motiv zu Grunde. Der Rabbiner ist, wie früher bemerkt wurde, ausschliesslich Lehrer; eine geistliche Autorität kennt das Judenthum nicht. Gehen daher die Reformen lediglieh vom Rabbiner aus, so ist der Glaube in seinen tiefsten Interessen bedrohet und fühlt, wer nicht indifferent von fern stehet, sich zur Opposition getrieben. Dieser gerechtfertigten Opposition wurde durch ein von der Gemeinde gewähltes Gomite begegnet, dem die von mir entworfene neu einzuführende Agende zu gemeinschaftlicher Berathung vorgelegt wurde. Die Berathungen, an denen Beer als Vorsitzender des Vorstandes und noch mehr als der durch sein weit umfassendes theologisches Wissen hierzu Befähigte, lebhaften Antheil nahm, durclrwehete der Geist des Friedens, der sich von da aus über die Gemeinde verbreitete, die die hier zu Stande gebrachte und später in mehreren Gemeinden Deutschlands als mustergültig ein geführte Agende bereitwillig aufnahm. Und so rückte der Einweihungstag der Synagoge heran. Es waren ihm mehrfache Zeichen aufmunternder Theilnähme vorangegangen. Das Cultusministerium hatte in einer anerkennenden Zuschrift dem Vorstand 300 Thal er zur Bestreitung der Kosten der Einweihung zugesandt. Ein geachteter früherer Stadtverordneter schickte am Morgen des Einweihungstages einen Beitrag von 50 Thalern mit dem Motto: ״Liberte civile et religieuse pour tont le rnonde“ und. dem schriftlich ausgedrückten Wunsche, ״dass fortschreitende Aufklärung und. Bildung die Israeliten auch noch zu dem fördern möge, was ihnen noch zur gänzlichen Gleichstellung fehlt.“ Ein anderer Beitrag eines christlichen Biedermannes lief mit dem Motto ein: ״Wir glauben Alle an Einen Gott!“ Und so manifestirte sich von vielen Seiten eine die Schranken der Religionsverschiedenheit durchbrechende Humanität: wir machen unter den vielen Edlen den auf früheren Landtagen für das Recht der Juden lebhaft kämpfenden Abgeordneten Axt namhaft, der seine Theilnahme in einer ihn wie die Gemeinde ehrenden Weise bezeugte. Die Einweihung fand am 8. Mai 1840, am Vorabende