Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 15)
- Language
- German
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1)1׳. Bernhard Beer. 299 lies-, seine Gattin Clara wirkt noch heute segensreich in der Gemeinde als Mutter und Helferin der Waisen und Verlassenen. -— Frohen Muthes ging ich von da zu dem früheren langjährigen Vorsteher der Gemeinde, M. Schin. Er entliess mich mit den Worten: Sie werden morgen Antwort erhalten. Spät Abends pochte es an meine Thür und Herr Schin trat ein. ״Wozu Sie bis morgen in Unruhe lassen?“ sagte er. ״Nehmen Sie von mir einen Beitrag von tausend Thalern entgegen“*). Diesen Männern reiheten sich an: der greise L. Lehmann, dem eine durch einige Menschenalter erprobte Biederkeit in der ganzen Stadt die Benennung ״der Ehrwürdige“ erworben hatte, W. Levi, S. Wallerstein, L. Wallerstein, und es fühlten sich auch minder Bemittelte zu neuen Anstrengungen angeeifert. So trat in dieser nicht zahlreichen Gemeinde ein Erfolg hervor, der nur dem von Gott durchdrungenen einheitlichen Streben zu Theil wird. Diese Einheitlichkeit bewährte sich auch auf einem Gebiete, wohin Zwietracht und Zerklüftung der Geintither sich leicht Eingang verschaffen. Die bevorstehende Vereinigung der bisher die verschiedenen Bethäuser Besuchenden zu einer gottesdienstlichen Gemeinde rief in Vielen den Wunsch nach mancher Reform des zeitherigen Cultus hervor, der jedoch der Frieden der Gemeinde nicht zum Opfer gebracht werden soll. Eine allerdings nicht leicht zu lösende Aufgabe! Es zeugt von einem betrübenden Indifferentismus, so eine Gemeinde ohne Wider- Spruch auf den seit undenklicher Zeit eingeführten Cultus verzichtet und sich ein neues Gebetbuch octroyiren lässt; aber ein nicht minderes Unbehagen erregt die fanatische Opposition, die zwar vor dem Indifferentismus den Ursprüng aus einem religiösen Gefühle voraus hat, jedoch auch der zusagendsten und dem Begriffe der wahren Gottes- Verehrung entsprechenden Verbesserung blind entgegentritt. Es liegt aber der, cultuellen Reformen gemachten '־') M. Ldiis war als einer der ersten Ehrenmänner Dresdens, auch der christlichen Bevölkerung, bekannt. Diese Anerkennung sprach der nunmehrige Justiz minister v. B ehr an seinem Grabe — er starb im Jahre 18-17 — in einer längeren Rede aus.