Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 14)
- Language
- German
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298 Dr. Bernhard Beer. der Besonnenheit: die Idee eilt weit voran und lässt die Kluft übersehen, die zwischen Beginn and Ausführung liegt. Die Gemeinde hatte mit lebendigem Eifer den Gedanken erfasst, ein würdiges Gotteshaus zu errichten, der Aufbau wurde dem genialen Architekten Semper übertragen;- aber die Gemeinde hatte nicht das Verhältnis des Unternehmens zu ihren Kräften berechnet, und der berühmte Architekt liess sich bei dem Entwürfe von seinem Genius leiten, ohne in Erwägung zu ziehen, wie weit die Unternehmer ihm werden folgen können. Es traten daher allmälig die peinlichsten Verlegenheiten ein, die die beängstigende Frage wachriefen, ob der Bau werde zur Vollendung geführt werden. Beer, der mit unausgesetzter Sorgfalt dem Fortschreiten des Unternehmens gefolgt war, fühlte sich sehr beunruhigt; und als wir einst gegenseitig unsere peinlichen Gefühle austauschten, trat er zu mir mit den Worten heran: ״die Kräfte der Gemeinde in ihrer Gesammtheit sind durch die bereits gebrachten Opfer erschöpft; es muss nun der Versuch gemacht werden, wohlhabendere Individuen zu neuen Spenden zu bestimmen. Um diesen Versuch zu erleichtern, gehe ich mit einem Beitrag von fünfhundert Thalern voran.“ Ich drückte dem Trefflichen die Hand und machte mich an den Versuch. Und hier erwarteten mich Ueberraschungen, die in der Geschichte einer Gemeinde, auf deren Blätter bisher nur Widerwärtigkeiten zu verzeichnen waren, nicht übergangen werden dürfen. Ich verliess Beer• und begab mich zu einem wohlhabenden Manne, der als Sonderling und theilnahmlos an dem Geschicke der Gemeinde verschrieen war. Ich trat mit einiger Befangenheit ein, theilte ihm in kurzen Worten die Veranlassung meines Besuches mit und bat ihn um ein Darlehen oder einen Beitrag. ״Darlehen?“ sagte er, ״das ist freilich bedenklich; ich ziehe vor, Ihnen ein Geschenk von tausend Thalern zum Baue der Synagoge zu geben.“ Ich hatte nicht Worte: erst als seine Frau freudestrahlend eintrat und zu mir scherzhaft sagte: ״Nun, wie finden Sie meinen Mann?“ konnte ich einige Worte des Dankes stammeln. Marcus B on di war der Name dieses nun dahingeschiedenen Man-