Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 8 · p. Seite 296

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 8
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 296 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829276-2829285-2858824--07003-2858881
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

296 Dr. Bernhard Beer. gen der hebräischen Sprachlehre allein an, die ־ans hierüber folgende Aufklärungen gibt. Die in der letzten Periode sehr aramäisch gefärbte Sprache der Hebräer hat unter den Vocalen, deren schriftliche Zeichen späteren Ursprunges sind, ein offenes kurzes A, dessen Aussprache, nicht zweifelhaft ist, und ein zusammengezogenes langes, welches A und 0 repräsentirt, wie bekanntlich alle Gebirgsvölkex unseren ersten Yocal in dem vierten aufgehen lassen. Die Chaldäer, Hellenisten, ferner die spanischen und portugiesischen Juden sprechen das zusammengezogene A hell und klar, wie wir das Amen aus. Die Syrer hingegen, wahrscheinlich auch die Palästinenser, die Habbin er des Mittelalters, namentlich die deutschen und polnischen Israeliten, haben nach altväterlicher Sitte für das 0 entschieden, und unser Amen? ist für sie ebenso auffallend, ja sogar lächerlich (?), als uns das ihrige. Da nun der Hebräer von dem Deutschen keine Anweisung erwartet, wie er die Worte seiner heiligen Schrift aussprechen soll, auch die Würde des Eides nicht gestattet, auf solche, zuweilen unrichtig beurtheilte Kleinigkeiten einzugehen, so muss ich dafür stimmen, dass es, wenn unsere Eidesformel nicht ausschliesslich für spanische Juden bestimmt sein sollte, bei dem Omen des Gesetzen!- wurfes sein Bewenden haben möge." Worauf Prinz Jobann: ״Die Deputation hat sich auf die Erankel'sche Schrift bezogen, wo gesagt ist, der Jude würde lächeln, wenn man ihn Omen zu sagen auffordert." Dr. v. Ammon: ״Dass jeder Jude weiss, was Omen und Amen heisst, ist nicht zu bezweifeln. Indess, wer irgend einmal hebräisehen Unterricht genossen, die hebräische Sprache betrieben hat, auf dessen Urtheil berufe ich mich auch, ob der Jude Amen oder Omen sagt." Prinz Johann: ״Ich glaube, es kann nicht so streng verlangt werden, ob man A oder ■ö, Amen oder Omen sagen soll." — Es wurde hierauf zur Abstimmung geschritten: 17 Stimmen waren für Amen, 17 Stimmen für Omen. Hach der Geschäfts- Ordnung des Hauses konnte, da Stimmengleichheit war, erst in der folgenden Sitzung eine nochmalige Abstim-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.