Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829276-2829285-2858824--06998-2858876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
291 Di׳. Bernhard Beer. bar verflochten, sondern stumme Personen ohne eigentlieben Zweck, somit überflüssig und störend. Hieraächst aber ist die Zuziehung besonderer Schwurzeugen bei Juden auch kränkend, weil sie blos auf Confessionsunterschied begründet ist und bei keinem anderen Eide verlangt wird, weder wenn Christen gegen Christen oder Christen gegen Juden, noch wenn Katholiken vor einem protestantischen Gerichte, oder Protestanten vor einem katholischen Gerichte schwören. — Kann daher auch zugegeben werden, dass in einer solchen Vorschrift nicht gerade Entwürdigendes liege, so ist sie doch dem Gesagten nach mindestens kränkend, und somit weder unschädlieh noch unbedenklich.‘; Dieses Minoritätsvotum wurde von mehreren Rednern bekämpft. Zwar wurde ein geräumt, ״es ist wahr und begründet, dass der Israelit, und dieses muss demselben zu seiner Ehre nachgesagt werden, nicht leicht schwört, nicht leicht zu einem Eide vorschreitet, und wenn er dennoch dazu vorschreitet, müssen ihn dringende Verhältnisse dazu bewegen, dass er den ihm auferlegten Eid wirklich leistet.“ So sprach ein Abgeordneter der Stadt Dresden. Ein anderer Abgeordneter Dresdens, ein allgemein geachteter Advocat, äusserte: ״Zur Ehre der Wahrheit muss ich gestehen, dass mir die Fälle, dass hier ein Israelit einen Eid geleistet habe, im Verhältnis^ viel seltener vorgekommen sind als diejenigen, wo ein Christ einen Eid geschworen hat. Ich muss also annehmen, dass der Jude sehr gewissenhaft mit sich zu Rathe gehet.“ Doch mein-, ten sie, dass die Gegenwart der Glaubensgenossen des Schwörenden viel dazu beitrage, den Juden von einem falschen Eide abzuhalten: wenigstens sei dieses eine verbreitete Volksmeinung, die beachtet werden müsse. Auch liege Etwas darin, dass dadurch gewissermassen ein Akt der Oeffentlichkeit stattfindet. Eine Zurücksetzung der Juden ist in der Heranziehung der Schwurzeugen nicht zu erblicken: sie diene nur zur Erhöhung der Feierlichkeit. Wenn man sich darauf beruft, meinten andere Redner, dass es bei Christen nicht der Schwurzeugen bedarf, so ist in der That zu wünschen, dass auch da die. Feier-