Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Eine neue Erklärung des dritten der zehn Gebote
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 5)
- Language
- German
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270 ■Eine'neue Erklärung Hier (in der zweiten Gruppe) sind die Verhältnisse des Mensehen zum Menschen ausgesprochen; darum steht hier das Verbot der falschen Zeugschaft am rechten Orte. In der ersten Gruppe sind nur die Pflichten und Verhaltungen des Menschen zu Gott ausgesprochen, und doch sollte vom falschen Schwure beim Namen Gottes die Rede sein, welcher doch zumeist wieder nur Bezug auf Pflichten gegen Menschen hat! Noch dazu ist nach der spätem richtigen, aus der heil. Schrift selbst deducirten Lehre der Rabbinen beim Schwure die Anrufung oder das Aussprechen des göttlichen Namens nicht durchaus erforderlich1). — Endlich 10. soll auch das Gelösten nach den Gütern des Lebens, die allmälig und stufenweise zum mittel- (9.) oder unmittelbaren Diebstahl an Besitz (8. 7.) oder Leben des Menschen (6.) führen, vermieden werden: Du sollst nicht gelösten u. 8. w. Folgt also die obige Erklärung und Uebersetzung des dritten Gebotes, wie uns dünkt, richtig aus dem Decalog selbst, so wollen wir zur näheren Begründung noch aus einer anderen Stelle der heil. Schrift dies zu erweisen suchen. Es ist dies die Stelle 3. B. Mos. 19, 2—4. Sehen wir uns die Stelle genauer an! Dort heisst es also: ״Rede zur ganzen Gemeinde der Kinder Israel und sage ihnen: Heilig sollt ihr sein; denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott. Ein Jeder soll seine Mutter und seinen Vater fürchten und meine Ruhetage beobachten; ich, der Ewige, euer Gott. Wendet euch nicht zu den Götzen und gegossene Götter machet euch nicht; ich der Ewige, euer Gott." — Was heisst: ״heilig?" oder das hebräische Wort קדוש? Alles, was frei, unbefleckt ist oder sich frei hält von irdischem Sinnen, Streben oder Begehren, oder was zu diesem Freisein führt, heisst קרוש (vgl. חורת׳ כהנים •z. St.) wo es heisst: קדושים תהיו פרושים תהין; ebenso Wajikra rahha cap. 24 f., 193a: 2 80;(כל מי שהוא גודר עצמו פון הערוה נקרא קרוש. L. ist der Sabbat (und sind die Festtage) heilig, weil sie den ,sie Feiernden frei vom irdischen Streben machen sollen; so macht die Enthaltung vom Götzendienste, von Zaubereien und dgl. Israel heilig (3. Mos. 20, 7); ebenso die Enthaltung von J) Siehe Frankel, Die Eidesleistung der Juden, S. 31 fg. — Desselben, Der gerichtliche Beweis u. s. w. 6. 314.