Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Eine neue Erklärung des dritten der zehn Gebote
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 4)
- Language
- German
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des dritten der zehn Gebote. 269 steil Grund) in Erinnerung halten (זכור)? und so deinen Glauben an den concreten Weltenschöpfer kundgeben .,und (nach dem zweiten Grunde) bewahren (שמור), als Dank- und Denktag des rettenden, befreienden und zur Freiheit berufenden Gottes in Israel. — 5. Und weil der Mensch diesen Gott, wenn auch concret, doch körper- und gestaltlos, nicht wahrnehmen und dennoch ihn mit allen möglichen Kräften und Mitteln lieben und ehren soll, ohne irgend durch Bild oder übergetragenen Namen ihn zu profanisiren, darum ehre der Mensch die Wesen, welche am Ersten und Meisten diesen Geist in seinen wohlthätigen Eigenschaften darstellen und nachahmen: die Eltern. — Soweit die erste Gruppe. Die zweite beginnt ebenfalls in absteigender Reihe mit dem Wichtigsten: 6. der Werthschätzung und Wahrung des men schliehen Lebens: Du sollst nicht morden. — 7. Aber nicht blos das leibliche Leben darfst du dem Menschen nicht nehmen, sondern auch das nicht, was dein Menschen neben seinem Leben das Theuerste ist: das heilige Band des Familienlebens, das ja dem leiblichen Leben erst den rechten, höheren Werth und die wahre Bedeutung gibt, wie ja schon in den ersten Capiteln der heil. Schrift die hohe Heiligkeit der Ehe, wie nirgends sonst, in dem schönen Spruche sich concentrirt, dass Mann und Weib zu Einem Leibe werden (והיו לבשר אהד)? deshalb: Du sollst nicht ehebrechen. — 8. Doch zum Leben gehört eigener Erwerb und Besitz, und ohne Mittel zur Erhaltung des Lebens kann weder der Einzelne noch die Gesammtheit bestehen; auf dem Erwerb und dem ruhigen, ungestörten Genuss desselben ruhet das Zusammenleben der Gesellschaft; darum: Du sollst nicht stehlen. Wenn die Babbinen unter diesem Verbot das des Menschendiebstahls verstehen (Synhe drin 86a), so lässt sich dies also deduciren, dass neben dem Leben des Leibes und dem innerhalb der Familie das Leben in der Freiheit zum freien Bewegen, Streben und Erwerben gewahrt bleibe. — 9. Aber wenn du auch nicht selbst mordest, ehebrichst oder stiehlst, so darfst du selbst nicht durch das Wort das Mittel bieten, dass dies von Andern geschehe, also: Du sollst nicht als falscher Zeuge aussagen wider deinen Nächsten. — Dieses Verbot begründet noch mehr meine obige Deduction und Uebersetzung des dritten Gebotes.