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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 7 · p. Seite 264

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 7
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 264 (sequence 20)
Language
German
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264 Dr. Bernhard Beer. ben, die jedoch nur einige Abweichungen von den Be-;Schränkungen-der ersten Kammer brachte*). So endete der längst ersehnte Landtag und liess in den Gemüthern einen sehr deprimirenden Eindruck zurück. Für Beer, der unter diesen Aufregungen sehr litt, war überhaupt das Jahr 1837 unheilvoll: er verlor in ihm Yater, Schwester und Mutter. Der Vater, der seit dem Beginne des Winters siechte, ging zu Beginne des Jahres mit dem tröstenden Gedanken heim, einen Sohn zurückzulassen, den er allgemein geachtet, auch von der philosophischen Facultät zu Leipzig mit der Doctorwürde (im J. 1834) bekleidet sah**). Die Schwester folgte dem Vater im Frühling; seit ihrem Tode hatte die Mutter keine Thränen mehr, das Grab, öffnete sich ihr im Herbste. Auch bei Beer waren die Thränen versiegt; und als wir vom Leichenbegängnisse der Mutter zurückkehrten, hauchteerzu mir seinen Schmerz nur in den Worten aus, die Lust am Leben sei ihm gebrochen. Doch die Vorsehung hatte schon im Voraus den Trostesengel gesandt: die liebende, hingebende Gattin theilte und linderte den Schmerz, und es richtete sich endlich der schwächliche, tiefgebeugte Mann an der Aufgabe seines Lebens, der geistigen und politischen Hebung der Gemeinde, auf. Der Landtag hatte der Gemeinde einen Ersatz für die bitter getäuschten Hoffnungen gebracht: es war ihr der allgemeine Gottesdienst und die Acquisition eines zu einem Gotteshause geeigneten Grundstückes gestattet worden. Man ging nun wieder mit warmem Eifer an den schon früher gefassten Vorsatz; und es lieferte auch der Unbemittelte, überhaupt wer nur irgend vermochte, sein Schärflein zum Baue des Hauses. Liegt doch hierin die Unzerstörbarkeit des Juden, dass er, von einer grossen Idee getragen, sich bei allen äusseren Bedrängnissen an ihr aufrecht hält, und wahr- *) Auch die Frage über Ehen zwischen Juden und Christen wurde an diesem Landtage verhandelt; beide Kammern sprachen sich verneinend aus. **) Einen von Beer verfassten, durch die in ihm niedergelegten religiösen Anschauungen sehr interessanten Nekrolog vgl. Allg. Zeit, des ■ Judenth. 1837, Nr. 4 f.

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