Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 19)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. 263 Sie haben die Gewalt hierzu, haben Sie auch den Willen!. . . Hiebt zu leugnen ist, dass die Juden in ihren jetzigen drückenden Verhältnissen unverschuldet schmachten. Gewähren Sie ihnen also etwas, so gewähren Sie es ihnen freudig; schlagen Sie ab — thuen Sie es dann mindestens ohne Bitterkeit. Mögen in unserer Kammer nicht jene unbegründeten Schmähungen und Verleumdungen gehört werden, welche die Juden als eine verworfene, in Unsittlichkeit versunkene Nation, und ihre Religion als ein Gemisch von Thorheit und Aberglaube und als ein Hinderniss ihrer Emancipation schildern. Gehen Sie, ich bitte Sie dringend, von diesem Gedanken zurück! Was das Religionsverhältniss betrifft, so ist bereits am vorigen Landtage ein Glauben sbekenntniss der Juden mit ihrer Petition gedruckt worden; Sie werden Einsicht davon genommen und sich daraus überzeugt haben, dass in der Religion der Juden ein Hinderniss der Annäherung zu den Christen keineswegs liege ... Was die den Juden vorgeworfene allgemeine Unsittlichkeit anlangt, so trifft sie dieser Vorwurf ungerecht. Lassen Sie hier That- Sachen sprechen. Keine Statistik irgend eines Landes weist bei den Juden etwa mehr Entsittlichung verhältnissmassig nach als bei den Christen. Suchen Sie Ihre Ueberzeugung nur aus Gründen zu befestigen, aus Gründen, welche ihnen die unverdächtige Erfahrung, die Belehrung Anderer in den zahllos vorhandenen Materialien und der Umfang Ihres eigenen Wissens darbietet. — Meine Herreu, es ist wohl möglich, dass in diesem Augenblicke Männer jüdischen Glaubens sich auf den Tribünen beimden; stellen Sie sich in deren Lage, wenn solche absprechende Urtheile über uns gefällt würden!“ Es gesellten sich zu dem trefflichen Manne andere von solchem Geiste beseelte Männer: der feurig beredte von Thielau, Landesältester d. Oberlausitzer Provinzialstände, v. Dieskau, der einen Tadel gegen die Weise der Motivirung der Regierungsvorlage aus sprach, die Abgeordneten Todt, Wieland, Cuno u. A., und es gelang ihnen, der Debatte die von v. Mayer an empfohlene Richtung zu ge- 20•