Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 6)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. 250 1836—37 durch publicistische Aufsätze wie durch Petition an die Kammern Gebrauch. Doch welchen Erfolg konnte er sich versprechen, da er es nicht mit gewöhnlichen Gegnern zu tliun hatte, sondern die Staatsregierung selbst als Gegner der Juden auftrat! — Die Regierung vermochte nicht dem Drängen der Stände zu widerstehen, und so wurde der ersten Kammer am 28. Februar 1837 ein Decrefc, ״die bürgerliche Verbesserung der Juden betreffend," übergeben. Das Decret kündigte sieh als ״Entwurf zü einem Gesetze wegen einiger Modifikationen in den bür? gerlichen Verhältnissen der hierländischen Juden" an, und diese Modificationen hoben nur in sehr beengender Weise den früheren Druck auf, gewährten nur, was man nicht versagen, konnte, wollte man nicht das ״gebildete Sach•: sen" in Verruf bringen. Schon die an die Spitze des Entwurfes gestellte Motivirung für seinen Erlass überhaupt ist bezeichnend für den von der Regierung eingenomes in seinem ganzen idealen und daher exclusiven Umfang, daher auch in seinem Judenhass, der sich bei Fichte in einer eines Philosophen gerade nicht würdigen Weise ausspriclit. Die hundertjährige Fichtefeier wurde auch von Juden begangen: B. Auerbach und M. Veit hielten vortreffliche Reden zum Andenken des Gefeierten. Dem schnöden Vorwurf der Kreuzzeitung, sie mochten wohl nicht erwägen, welchen Feind ihres Volkes sie feiern, ist zu entgegnen, der Jude hat, ganz entgegengesetzt der von jenem Blatte vertretenen Partei, für das Gute und Edle auch seines Feindes ein offenes Auge. Aber wohl hätte der Unterschied zwischen dem eines grossen Volkes würdigen Nationalitätstreben und der Deutschtümelei hervorgehoben, und die in ihrer letzten Consequenz bedauerliche Abirrung Ficlite’s angedeutet werden mögen. Bo würden die Redner dem Vorwurf, sie verleugnen den Juden, vorgebeugt haben. Bedürfte es übrigens des Nachweises, . wie noch jetzt Deutschthum aufgefasst wird, so braucht nur Bchleswig״H01stein hervorgehoben zu werden. Dort werden im Namen des ״unterdrückten Deutschthums" die deutschen Brüder angerufen; sie treten für sie in die Schranken und unter ihnen auch beredte Juden; von welchem hohem Freiheitsgefühle diese für ״die Nationalität lei- ' denden Deutschen" beseelt sind, bezeugt zur Genüge ihr gegen die Juden Holsteins geübter harter Druck, die daselbst noch heute-unter den mittelalterlichen Beschränkungen leiden. Auch für solches ״Deutschtham" traten ״zu deutsche" Juden in die Schranken, machten sich einer Vergesslichkeit schuldig, die noch weit bedauerlicher als die der Fichtefeier.