Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 5)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. 249 denen Classen der Staatsbürger und Religionsparteieil gegen einander aufzureizen, und fallen streng genommen dem Strafgesetze anheim. Wir begnügen uns jedoch mit der ergebensten Bitte an Ew. Hochwolilg., dem thüringer Herrn Correspondenten ähnliche gehässige Ausfälle und Ausdrücke gegen die Israeliten zu verweisen, und dafern derselbe solche doch nicht unterlasse, den betreffenden Passus streichen oder modificiren zu wollen. Von Ihrer Gerechtigkeitsliebe die Gewährung meiner Bitte erwartend, ergreife ich diese Gelegenheit, mich hochachtungsvoll zu zeichnen u. s. w. Dresden, 6. Februar 1860. Dr. B. Beer." , So griff Beer stets zur geistigen Waffe, wo es Juden und Judenthum galt*), und er machte von ihr im Jahre *j Das obige Schreiben hatte zur Folge, dass die ferneren Auf- Sätze des ״thüringer praktischen Staatsmannes14 keine Ausfälle gegen die Bekenner des Judenthums brachten. Seit dem Tode Beer'8, dieses stets wachsamen Vorkämpfers, sollen in der Leipziger Zeitung wieder manche verjährte Tendenzen hervortreten. — Die in dem Schreiben ausgesprochene Behauptung, dass manche Juden ״zu deutsch" seien, ist hinreichend bewährt, und der hiergegen durchklingende Tadel Beer's hat in den Augen jedes Weiterblickenden seine volle Berechtigung. Beer sprach aus Erfahrung: aus dem Deutschthum hatte, wie oben (S. 124) angeführt wurde, der königl. Commissarius Gründe gegen die Emancipation der Juden hergeleitet, und seine Ansicht stand nicht vereinzelt, sie wurde von den bedeutendsten Deutschthümlern getheilt. Dem Deutschen ist sein Deufcschthmn Rassenthum, was aus- 8er diesem stehet, gehört, wie es in jenen Worten offen behauptet wurde, nicht in seinen Staat, kann nicht in ihm einen Platz finden. Welches Heil der Menschheit aus diesen zur Rassenabstossung führenden Bestrebungen erwachse, wurde oben (S. 125) bemerkbar gemacht*, und nicht weniger ist jedem Unbefangenen klar, dass sie nicht als Errungenschaft der Humanität, nicht als ״höhere Geistesarbeit" unserer mit stolzem Mitleid auf so manchen ״überwundenen Standpunkt" zurückblickenden Zeit betrachtet werden können. Und dem Juden gereichen sie zum ausgeprägten Unheil! Der Deutsche ist seiner ganzen Anlage nach Theoretiker, er vertieft sich in Speculationen, führt die Idee mit aller Consequenz durch und gestehet, was diesen Consequenzen hindernd in den Weg tritt, keine Berechtigung zu. Fichte, der Schöpfer des nebelhaften, jeden realen Boden entbehrenden Idealismus, war von solchem Deutschthum, däs zur Zeit des tiefen Verfalls der Ration ein heilsames Reagens bildete, durchdrungen, und erfasste