Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 4)
- Language
- German
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248 Dr. Bernhard Beer. man könnte Manchen von ihnen den Vorwurf machen, dass sie, obgleich in der edelsten Absicht, doch die deutsehe Einheit in einer idealeren Weise construirt haben möchten, als eine weise und gerechte Politik es jetzt wünsehenswert!! finden mag. Dieses sind individuelle, wenn auch irrige Ansichten, denen sich aber auch die bewährtesten deutschen Männer christlichen Glaubens hingegeben haben und zum Theile noch hingeben. — Verstehet der Herr Thüringer unter den Undeutschen, die er ״Verehrer des goldenen Kalbes“ nennt, etwa die jüdischen Börsenmänner, so widerspricht er sich selbst. Erstlich sind es nicht die Börsen- und Geldmänner, welche Artikel für die liberalen Blätter schreiben, und zweitens sind jene Börsenmänner am wenigsten zu napoleonischen Tendenzen hinneigend. Es muss ja jedem Anfänger in der neuesten Zeitgeschichte bekannt sein, dass die Geldleute vor Allem die Ruhe lieben und mit Sehnsucht in die schönen Zeiten der vormärzlichen Tage und in die Restaurationsperiode zurückblicken! — Die Juden bilden überhaupt nirgends eine Einheit der politischen Gesinnung, um ihnen unter dem Epitheton ״auserwähltes Volk“ insgesammt zuzuschreiben, was vielleicht Einzelne hier und da treiben. Die Juden sind in Frankreich Franzosen, in Italien Italiäner und in Deutschland — Deutsche: Vaterlandsverräther gab es aber unter allen Confessioneu und Ständen. — Der Herr Correspondent klagt, dass die Juden sich in den Zeitungen breit machen. Ich weiss nicht, ob sie nicht dasselbe Recht haben, wie der thüringer Herr Correspondent. Der Unterschied liegt nur darin, dass die meisten israelitischen Correspondenten wohl keine Staatspensionen zu gemessen haben und zu solcher Arbeit ihre Zuflucht nehmen müssen. Ew. Hochwohlgeboren werden in Unpartheilichkeit erwägen, dass Auslassungen wie die eben geschilderten des thüringer Correspondenten in einem officiellen Blatte uns sehr betrüben mussten, zumal die sächsischen Juden ihrer strengen und innigen Loyalität gegen König und Vater• land sich bewusst sind. Dergleichen hämische und unwürdige Ausfälle sind ganz dazu geeignet, die verschie-