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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 6 · p. Seite 230

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1862-01-01
Page
Seite 230 (sequence 3)
Language
German
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230 Recensionen and Anzeigen. monides wiedergefunden. Die Franzosen sind durchaus bemüht, ihren Cartesius von dem Makel zu befreien, den Spinozismus als seine Consequenz erzeugt zu haben. In ihrem Eifer übersehen sie den naturgemässen Schritt, der vom Cartesianismus zum Spinozismus führt, und spähen nach vereinzelten Aehnlichkeiten, die der Spinozismus zum Theil mit Maimonides, zum Theil mit dem in seiner eigentlichen Tragweite im More nicht einmal vertretenen, Averroismus hat oder haben soll. Nun, dass Spinoza den More Nebuchim sorgfältig gelesen hat, braucht nicht bewiesen zu werden, da er ihn häufig citirt. Dass ferner viele Stellen im Spinoza, sowohl in der Ethik als in dem tlieologisch-politischen Traktat, nachzuweisen sind, in denen stillschweigend bald auf den More Nebuchim, bald aber auch auf andere jüdische Denker — denn, beiläufig gesagt, Spinoza hat die meisten jüdischen Philosophen gekannt — gezielt wird, ist eben so wahr. Will man daher behaupten, dass Spinoza sowohl dem Maimonides als auch vielen anderen jüdischen Denkern — denn es gibt in der That andere, denen er mehr schuldig ist — Manches verdankt, so hat das seine Richtigkeit. Aber gerade das, was das Wesen des Spinozismus ausmacht, wird aus seiner Lectüre des More Nebuchim nun und nimmermehr erklärt. Maimonides, dem die Willensfreiheit des Menschen ein unmittelbar Gewisses ist, das keines Beweises bedarf, der mit allem Aufwand von Gründen gegen die Behauptung, die Schopfung sei ein nothwendiger und nicht freier Act, polemisirt, ist tolo coelo von Spinoza verschieden. Auch hat Cousin’s Ansicht in der That seihst in Frankreich Widerspruch erfahren, und einer seiner bedeutendsten Schüler, der bekannte Uebersetzer des Spinoza, Emile Saisset, erklärt sich gegen ihn’). Ebenso gesteht der Herausgeber unserer Excerpte (S. 8), dass ״entre Maimonide et Spinösa tout differe ä premiere vue." Aber das hindert ihn denn doch nicht, neben einigen wirklich ähnlichen Aeusserungen zugleich andere aufzufinden, die erst künstlich zu Aehnlichkeiten präparirt werden müssen, wobei noch zu bemerken ist, dass wenn es wirklich gestattet sein sollte, einen geschichtlichen Bezug zwischen dem averroistischen und spinozistischen Pantheismus anzunehmen, dieser Pantheismus ,Vgl. diese Monatsschrift 1. 1.

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