Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Haftara
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Haftara. 227 graphen entnommen wurde, was zu erklären so viele Hypothesen veranlasste, das hat jetzt gar keine Schwierigkeit mehr. Für Pentateuch und Hagiographen war schon gesorgt, und nur der Prophetenabschnitt fehlte. Der diesen las, der war Maftir. In späterer Zeit erinnerte man sich wohl noch der Zeit, in der die Einrichtung entstanden war, als einer sehr traurigen Verfolgungszeit, ohne dass man jedoch der Umstände sich genau bewusst war. Vermuthungen traten an die Stelle der geschiehtliehen Thatsache. — Noch ein anderer Umstand lässt sich vielleicht hier anreihen, was die obige Erklärung über die Entstehung noch mehr bestätigt. Sollten die Vorträge das Studium ersetzen, dass der Idiot durch dieselben פטור vom Fernen war, so mussten sie den Letzteren verständlich gemacht werden, was auch durch einen מתרגכלן geschah. Zur Zeit der Verfolgung mussten diese Vorträge vor grösseren Versammlungen sowohl in Rücksicht auf die Lehrer, weil eine grössere Zahl sich den Häschern kaum zu verbergen im Stande war, als auch in Rücksicht auf die Zuhörer, welche man solcher Gefahr auszusetzen für sündhaft hielt, gänzlich eingestellt oder doch nur auf einen sehr kleinen Kreis, der leicht einen verborgenen Schlupfwinkel aufsuchen konnte, beschränkt werden. Sollte das Vorlesen zugleich als Lernen betrachtet werden, so musste der Abschnitt verstandlieh gemacht1), d. h. übersetzt oder erklärt werden. In dieser Weise den Pentateuch-Abschnitt vorlesen, hielt man für bedenklieh, vielleicht aus Scheu vor den Unterbrechungen, vielleicht auch, weil man in Ermangelung einer kanonisirten Uebersetzung falsche Deutungen und Auslegungen besorgte. Diese Besorgnisse und jene Scheu fielen aber weg, wenn man statt der Sidra einen Propheten-Abschnitt zur Vorlesung mit Uebersetzung wählte. Das war dann zugleich ein Lernen. So war der Prophetenabschnitt allerdings ein Ersatz für die Sidra, die zwar auch gelesen, aber weil nicht übersetzt, nicht als Lernen angesehen wurde. So war die Haftara zwar eine Neuerung, analog dem Lesen der Sidra nachgebildet, aber aus Scheu vor dem Bestehenden, an welchem zu ändern man sich nicht für befugt hielt und welches in der bestehenden Weise beizubehal- *) Siehe Oracli Chajim 50 מגן אברהם. 17*