Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Haftara
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 5)
- Language
- German
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226 Die Haftara. sich nicht ausserordentlich vermehren? Dagegen war aber schon ein : Mittel vorhanden— die Sabbat- und Festvorträge. Diese, sowohl über die schriftliche wie über die mündliche Lehre sich erstreckend, zu vernehmen, war für Alle, die sich nicht selbst dem Studium derselben widmen konnten, ein Er- 8atz, sie waren יוצא♦ Nun traten aber die Zeiten der Verfolgungen ein, das Halten der Vorträge war untersagt, nicht minder auch das Hören; jede religiöse Versammlung war bei Todesstrafe verboten. Man versammelte sich dennoch, scheute die Gefahr nicht, aber wird man sich nicht auf das Allernothwendigste b e s chränkt hab en? Das Allerno thwendigste war aber zu jener Zeit schon, vielleicht auch (des Trostes halber) gerade zu jener Zeit, Abschnitte zu lesen oder zu hören aus allen Theilen der heiligen Schrift1). Aus dem Pentateuch geschab es in den frühesten Zeiten schon, aus den Hagiographen geschah es, weil von der Tempelzeit her auch der Unwissendste wohl einen oder einige Psalmen verstand oder doch nach dem Gedächtnisse sprechen konnte. Für das Lesen der Prophetenab schnitte war in Ermangelung dieser Vorträge kein Aequivalent vorhanden. Was geschah? Man fügte dem Abschnitte der Thora (Sidra) noch .einen Prophetenabschnitt bei, den Einer vorlas, und alle waren יוצא*• waren der Pflicht des Studirens entbunden, □פטורי durch den, der sie vorlas, er war — der Maftir (מפטיר)• Die Bedeutung des Wortes מפטיר ist also ganz einfach: Jemand las einen Abschnitt vor, wodurch die Ver- Sammlung, d. h. die grosse Masse des Volkes befreit wurde, sich in so grosser Anzahl dem Studium hinzugeben und etwas zu thun, was bei Todesstrafe verboten war. Im doppelten Sinne konnte diese Verrichtung מפטיר genannt werden, und es erklärt sich auch, weshalb dieser Abschnitt selbst, aber erst später2 3), הפטרה genannt wurde. Alle Voraussetzungen dieser Erklärung sind historisch begründet, sowohl die Verbote selbst als auch, dass das Thora- Studium auf Pentateuch, Propheten und Hagiographen sich erstrecken sollte5). Dass niemals auch eine Haftara den Hagio- A) Bekannt ist die Lebensregel עולם יש^יש אדם ימיו^. 2) Siehe Frankel a. a. 0. S. 51 n, 3) Vgl. Kidduschin S. 293, Rambam Hilchoth N״N 1, 11.