Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Nachtrag zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 10)
- Language
- German
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21S Nachtrag• zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in dieser Beziehung letzteres die wohlthätigsten Folgen äussern würde. Wir sind im Laufe der Debatte so häufig auf die Religion der Juden hingewiesen worden. Man ist aber in der That übel daran, über etwas zu sprechen, was man nicht kennt. Ich glaube, dass allen denjenigen Herren, welche aus der Religion der Juden Folgerungen machten, zunächst der Beweis obgelegen hätte, dass auch ihre Prämissen gegründet seien. Hiervon abgesehen, stehen mir einige Momente zur Seite, die gegen die angeführten Folgerungen sprechen. Ich beziehe mich auf die zahlreichen Beispiele sehr ehrenhafter Juden, ich mache darauf aufmerksam, dass der Staat die religiösen Gesinnungen seiner Unterthanen zu erforschen und erkennen nicht im Stande ist, sich mit der äusseren Bekenntnissformel derselben begnügen muss, und dass es viele Angestellte im Staate gibt, die früher Juden gewesen sind, welche die christliche Bekenntnissformel abgelegt haben, ohne dass man die Ueberzeugung aussprechen kann, dass sie die christliche Religionsanschauung wirklich in sich aufgenommen haben. Dennoch haben sie sich in allen ihren amtlichen Stellungen zum Staate bewährt, und daraus lässt sich folgern, dass in ihrer Mutterreligion nichts Gefährliches für den Staat enthalten sein könne. Es ist auf einen Grundsatz ihrer Religion, auf den Spruch hingewiesen worden: Zahn um Zahn, Äug’um Auge. Darüber will ich hinweggehen, weil es zu offenbar ist, dass dieser Spruch nur einen bildlichen Ausdruck des Princips hochster Gerechtigkeit enthält. Es ist ferner auf ihren Messiasglauben hingedeutet worden. Dieser mag bestehen, aber gewiss besteht er bei der grössten Zahl, bei allen gebildeten Juden nur in symbolischer Weise. Die Juden glauben an eine bessere, ausgleichende Zukunft. Sie haben den Glauben. Den wollen wir ihnen lassen. Wir haben ihn ja ebenfalls, nur in veränderter Form. Es ist von einem geehrten Abgeordneten aus Schlesien gestern ausgesprochen, dass er dafür sein werde, den Juden alle Rechte der Christen einzuräumen, wenn sie nur ihrerseits die Hand dazu böten, sich den Christen gleichzustellen