Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Nachtrag zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
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216 Nachtrag zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde selbe wurde von dem oben genannten Berichterstatter, Herrn Oberbürgermeister Sperling, mit folgenden schönen 1 Worten ein geleitet: ״Ich gehöre zu denjenigen, welche für Zuerkennung der Rechte der Staatsbürger an die Juden im weitesten Sinne stimmen. Doch fürchten Sie nicht, dass ich Ihnen alle die Gründe, die mich zu dieser Ansicht gebracht haben, darlegen werde. Ich muss fürchten, zum grossen Theile dasjenige zu wiederholen, was wir gestern und heute gehört haben, und das würde ich mir selbst nicht verzeihen. Ich halte aber in der Stellung, die ich hier einnehme, mich verpflichtet, auf einige Aeusserungen zu׳ rückzukommen, die gestern und heute gemacht worden sind, um wo möglich Missverständnisse zu vermeiden. Ich erkläre im Voraus, dass ich persönliche Herzenser giessungen, welche wir hier gehört haben, übergehe, weil ich diese nicht als zur Sache gehörig betrachte, unsere Stellung in einer anderen Weise auffasse, und namentlich es für nothwendig erachte, dass wir bei der Berathung über einen so wichtigen Gegenstand gleichsam aus uns heraustreten und das bei Seite lassen, was wir persönlich für oder gegen die Juden fühlen. Ich komme zuerst auf eine Bemerkung zurück, welche von einem Abgeordneten, der mir gestern zur Seite sass, gemacht ist, und den Immediatbericht des königl. Justiz- Ministeriums vom Jahre 1841 und die demselben beigefügte Zahlenliste der Verbrecher betrifft. Es ist diese Liste insofern von Erheblichkeit, als darauf die Ansicht gestützt wird, dass die Zahl der Verbrecher im Verhältnisse der Bevölkerung unter den Juden bedeutend grösser sei, als unter den Christen, und daraus wieder der Schluss gezogen wird, dass die Juden in sittlicher Beziehung auf einer niederen Stufe als die Christen sich befänden. Ich bitte Sie, hochverehrte Herren, auf diese Verbrecherliste kein Gewicht zu legen. Denn abgesehen davon, dass die Moralität sich nicht nach Zahlen abzähleü lässt, dass oft ein Verbrechen auf der Waage der Moralität viel schwerer wiegt, als hundert andere, mache ich Sie darauf aufmerksäm, dass einzelne Arten von Verbrechen in diese Liste