Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Über den Aberglauben in den arabisch-jüdischen Schulen
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 9)
- Language
- German
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206 Ueber den Aberglauben .. zu deuten. Sie gelten ihm als Bezeichnungen für äussere Bedrängnisse, Gemüthskrankheiten oder körperliche Leiden1). Die Dämonen, die Adam (nach Erub. 18b, Beresch. r. cap. 20 u. 24) in den ersten 130 Jahren seines Lebens gezeugt haben soll, bedeuten ihm Menschen, die die Ebenbildlichkeit Gottes in sich nicht entwickelt, daher mit dem Thiere auf einer Stufe stehen, jedoch in Folge ihrer geistigen Fähigkeiten noch gefährlicher und unheilvoller als das reis sende Thier sind2). Ebenso wird die Astrologie, die eben damals der eifrigsten Pflege sich erfreute, von ihm aufs Heftigste bekämpft und als baarer Unsinn erklärt. Wir verweisen hierüber den Leser vorzüglicli auf die in seiner Briefsammlung enthaltene Zuschrift an die Gemeinde zu Marseille. Andererseits jedoch müssen wir bekennen, dass Maiinuni’s Begriffe über die Gestirne noch fast höchst kindisch zu nennen sind. Das Alterthum zeigte sich eben nirgends so klein und befangen als jenen grossen, glänzenden Weltkörpern, gegenüber. Der grosse Geist Maimuni’s kam in dieser Beziehung nicht über die noch so unreifen Verstellungen seiner Zeitgenossen hinaus. Die Sterne sind ihm, wenn auch einflusslos auf das Geschick der Menschen, doch weit höher 6, aus reineren Stoffen und mit höherer Intelligenz begabte Wesen als diese. Ihre ewige Cirkelbewegung hat kein physisches Princip, sondern rührt von einer intellectuellen Begier her, den geistig vorgestellten Gegenstand zu erreichen (More II, 4). Wir werden in unserem Artikel über die Astrologie nachweisen, dass sogar die Ansichten Saadia’s in diesem Punkte etwas höher standen. — Auch dem Glauben an Talismane3), an Zauberei, an anthro- 1) Mischna-Commentar Schab. II, 5 Erub. IV, 1. Gittin YII, 1. 2) S. More I, 7. 3) Es sind dies magische Bilder, unter einem gewissen Horoskop verfertigt, denen man geheime Kräfte zusclirieb. S. Maim. Misch na- Cömment. Aboda Sara 3, 1. 4,7. Pes. 4, Ende. More I, 63. 111, 29. — Das Wort ist griechischen Ursprungs (r&sö/x-oO, das aber später arabisirt wurde und daher die Nnnation erhielt. Manche jedoch leiten das Wort von dem Gebirge Talisman her, welches nach dem Glauben der Perser■; von allerlei Geistern bewohnt wurde, und dessen Stein lediglich zur Anfertigung von solch geweiheten Figuren verarbeitet wurde. Muskato (Kol Jehuda I, 79) betrachtet es als Zusammensetzung von ,טלך (Lamm) und שמש (Sonne), weil die zur Verfertigung der