Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Über den Aberglauben in den arabisch-jüdischen Schulen
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 7)
- Language
- German
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198 Ueber den Aberglauben toniker folgte und als deren bedeutendsten Vertreter wir den jüdischen Dichterfürten Gabirol erkennen1). Diesem folgten Ibn Esra, Nachmanides, Izeh und Jehuda Abravanel, Menasse ben Israel, ebenso wie die ganze Schule der Kabbala. Hier wird dem Mysticismus in seinen verschiedensten Formen (der Astrologie und Dämonologie, den geheimen Kräften der Zahlen und Buchstaben) gehuldigt, während dagegen die maimonidische Schule dem Aberglauben in seinen verschiedensten Erscheinungen auf das Entschiedenste entgegentritt. Maimonides hat die zähe, störrige Macht des Aberglaubens, der wie Schlingkraut immer'von Neuem fortwuchert und aus dem Acker des Menschengeistes fast nicht zu entwurzeln ist, in seiner ganzen Verderblichkeit erkannt und es zur Aufgabe sei• nes Lebens gemacht, diesem gefährlichsten Feinde der Menschheit und des Judenthumes den unerbittlichsten Krieg zu erklären. Es sind ewig denkwürdige Worte, mit denen er die grosse Einleitung seines ״More" schliesst: ״Endlich bin ich der Mann, der, wenn ein Gegenstand ihm drängt und er auf beengter Bahn keinen Ausweg findet, eine Wahrheit anders als dergestalt mitzutheilen, dass sie Einem Trefflichen nützt, während zehntausend Thoren sie verdammen, es vorzieht, sie diesem einzigen Trefflichen mitzutheilen, ohne sich um das Verdammungsurtheil jenes zahlreichen Pöbels zu kümmern." — *) Den vollen Gegensatz zwischen dem Aristotelilcer Maim. und dem Platoniker Gab. kennzeichnend, erscheint uns auch die wesentlich verschiedene Theorie beider über das Wesen der Einbildungskraft. Maim. erklärt dieselbe als eine rein sinnliche Kraft (1. der acht Abschnitte, More I, 60). Selbst Thiere besitzen daher Einbildungskraft und träumen (More I, 73, Prämisse 10), und Moses war eben der grösste der Propheten, weil frei von jeder Einbildungskraft (das. II, 36). — Ganz anders denkt hierüber, als nothwendige Consequenz seiner ganzen philosophischen Richtung, der Platoniker Gabirol. Die Imagination, die, alle Sinnlichkeit hinter sich lassend, zur Ansehauung der höchsten geistigen Formen sich erhebt, ist ihm eine seelische Kraft (Mekor Cliajim IV, 27) und ebenso der Traum. עצם —נפש יקבל הצורדה והשכלית מעצם השכל בחלום נפשית כלומר ״ .דמיוניתDie Seele empfängt von dem Weltverstand die intellegible Form in dem psychischen, das ist, imaginellen Traum" (das. III, 27), Auch die Mutakallimun, die ebenso den neuplatonischen Philosophemen folgten, wiesen daher der Einbildungskraft einen so hohen Rang zu (More I, 73, Präm. 10).