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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 5 · p. Seite 195

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 5
Article
Über den Aberglauben in den arabisch-jüdischen Schulen
Date
1862-01-01
Page
Seite 195 (sequence 4)
Language
German
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in der arabiseh-jüd. Schule. 195 durch Abziehung von aller Sinnlichkeit, durch beschauliches Leben und Ertödtung des Fleisches sieh zur dämonischen Natur erheben und dadurch einftMagus werden, der die Macht besitzt, den bösen Dämonen zu gebieten und mit blossen Worten oder durch gewisse Formeln Krankheiten zu vertreiben und alles Uebel in der Natur zu besiegen. — Welch fruchtbarer Boden, um den üppigsten Aberglauben aus seinem Schosse hervorwuchern zu lassen! Setzen wir über die grünen Meeresfluthen, die Asien von Europa trennen, und auch da begrüsst uns aus dem Alterthum herüber ein philosophisches Lehrgebäude, das dem gelehrten Aberglauben zum Träger diente: das System FJato’s. Die sinnliehe Wahrnehmung ist ihm nur eine Quelle trüber, verunreinigfcer und ungewisser Erkenntnis8, da sie sich nur auf das bezieht, was in einem beständigen lieh er gange aus dem War durch das Jetzt in das Wirdsein ist (Parmenides). Die wahre Wissenschaft fliesst ihm nur aus der von aller sinnlichen Störung abgewandten, durchaus innerlichen Thätigkeit der Seele. Daher als der wahre Zustand des Philosophen das Sterbenwollen geschildert wird, das Verlangen, dem Körper zu entfliehen und reiner Qeist zu werden (Phädon). Die abstrakten Gattungsbegriffe, die ״Ideen“1) sind ihm der Sitz aller Wesenheit und Wahrheit, die Erscheinungen der Sinnenwelt dagegen nur Abbikiungen oder Abschattungen derselben (Phädrus). Dabei bietet uns auch Plato einen Dualismus von Principien: das ״Selbige“ und das ״Andere,“ mit deren Mischung alles Sinnliche erfüllt ist. Jenes das ewig gute und göttliche, dieses das heterogene, feindliche und widergöttliche Princip, so dass der letzte Grund des Bösen in der ״Natur des Anderen“ gesucht wird2) (Timäus). J) Wir widmen den platonischen ״Ideen“ im. II. Bande unseres Wörterbuches einen eigenen Artikel, da diese auch in der arabischjüdischen Literatur eine nicht geringe Rolle spielen. 2) Diese platonische Lehre, nach welcher der letzte Grund des Bösen in der Natur des ״Anderen“ [cpvaig zov bzbqov) gesucht wird, hat wohl zu dem סטרא אחרא der Kabbalisten Veranlassung gegeben. Ja, vielleicht dürfte auch Elisa ben Abuha, dem der Talmud den Glauben an zwei Principien zum Vorwurfe macht (Chagig. 15a), deshalb das Prädicat יאחר der ״Andere“ erhalten haben, das ist, der dem bösen Princip Verfallene. 15•

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