Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Über den Aberglauben in den arabisch-jüdischen Schulen
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 3)
- Language
- German
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- Cicero 1× ep/1024888
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194 Ueber den Aberglauben Schlüssel zu den natürlichen Ursachen fehlt, zu ausser- oder übernatürlichen die Zuflucht. Der Aberglaube hat auch daher keinen grösseren Feind als die Naturwissenschaft, vor deren alles "beleuchtenden Strahlen die feuchten Nebel des Ab«erglaubens sich nicht halten können1), Mit den immer tieferen Einblicken in die geheimen Gesetze und Kräfte der Natur stellt sich eine immer richtigere Anwendung des Causalitätsgesetzes heraus, 80 dass Vieles, was sonst nicht anders denn als Wirkungen der Geisterwelt gefasst werden konnte, sich dann auf ganz naturgemässe Weise erklärt. Doch wir haben es hier nicht mit dem Aberglauben des grossen Haufens zu thun, sondern möchten in den Schulen der Gelehrten den mit philosophischem Gewände bekleideten Aberglauben aufsuchen. Denn in der That, die Geschichte lehrt uns, dass es auch einen philosophischen oder gelehrten Aberglauben gibt* der dem rohen Irrwahn ein wissenschaftliches Gewand umwirft, ihn auf gewisse philosophisch scheinende Prämissen stützt, so dass er als eine Frucht der Forschung und der Wissensehaft, nicht als ihr gerader Gegensatz erscheint. Steigen wir in’s Alterthum hoch hinauf, dann finden wir vorzüglich zwei Systeme, die diesem sogenannten philosophisehen Aberglauben als fruchtbarer Boden gedient. Die morgenländische Weisheit, in Indien und Persien entstanden, hatte die Gegensätze in der Natur durch die Annahme zweier Urprincipiem, eines guten und bösen, zu erklären gesucht. Das erstere,׳ die Quelle des Lichts, schickte eben so viele Lichtkreise (Dews), Dämonen von sich aus, als das letztere ihm entgegenstellte2). In Mitte dieser beiden Principien stehend, kann der Mensch נ) Schon Cicero hatte dies erkannt, indem er sagte: Omnium rerum natura cognita levamur superstitione: liberamur mortis metu, non conturbamur ignoratione rer um, e qua ipsa liorribiles saepe existunt formidines (de finib. lib. I.). Im Talmud wird auf den Glauben an die zwei Principien öfters Bezug genommen. Selbst die Namen Ormuzd und Ahriman sind da nicht fremd, s. Syniiedr. 39a; אמר אטגדטא לאטימר טפלגך ולעילא דהורמיז'וטפלגך ולתת7 דאהורמין. Vgl. auch Baba batra 73b-, Gitt. 11a. Zugleich bemerken wir, dass die talm. Lehre von den zwei Engeln, einem guten und bösen, die jeden Menschen begleiten 56ab. 119h, Chagig.!6a), an eine ähnliche Lehre im Parsismus erinnert. VergL Hyäe, Religio veterum persarum cap. 19, 20.