Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Über den Aberglauben in den arabisch-jüdischen Schulen
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829276-2829282-2858477--06745-2858547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
in der arabisch-jüd. Schule. 193 dern es sind sämmtlich nur düstere Einflüsse von Aussen her, die, fremdländische Schlingpflanzen, den gesunden und kräftigen Baum des Judenthums zu umranken und zu überspinnen suchten. Der menschliche Geist, dessen edelste und die seiner würdigste Frucht der Glaube ist, trägt in missbräuchlichen Fällen zwei extreme Auswüchse: Unglaube und Aberglaube. Doch auch diese Extreme berühren sich. Unglaube, der die höchsten Wahrheiten für nichtig erklärt, und Aberglaube, der die grössten Nichtigkeiten als Wahrheiten anerkennt, sind nicht, wie man denken sollte, die zwei feindlichen Pole der Magnetnadel, die sich gegenseitig abstossen; im Gegentheil, sie vertragen sich gar wohl mit einander, suchen sich gegenseitig auf; es herrscht eine Art Wahlverwandtschaft unter den beiden. Wo die Altäre des Glaubens umgestürzt werden, da werden in der Regel die des Aberglaubens aufgebaut. Hingegen wahrer, echter Glaube und Aberglaube — nur dies sind die eigentlichen Gegensätze, wie dies schon iai Talmud so sinnig ausgedrückt wird: ״Woher wissen wir, dass man Chaldäer nicht befragen dürfe? Weil geschrieben steht: Du sollst ganz sein mit dem Ewigen, deinem Gotte"'). Der Ursprung des Aberglaubens ist, neben dem Hang zum Wunderbaren, der allen Ungebildeten und Halbgebildeten eigenthümlich ist, in der Unkenntnis8 der natürlichen Ursachen zu suchen. Unbekannt mit dem causalen Zusammenhang der Dinge in der Welt und doch getrieben von dem der Seele innewohnenden Bedürfnis«, diesem Zusammenhänge nachzuforschen, verfällt der Naturmensch auf die. sonderbarsten Ursachen der Erscheinungen, mischt die sinnliche Welt mit der übersinnlichen in einander und nimmt da, wo ihm in seiner Unwissenheit der נ) Pesach. 113.h. Rach der richtigen Erklärung der Tosafot ist Chaldäer die Bezeichnung für Astrologen. Auch bei den Römern wnrden die Sterndeuter gewöhnlich Chaldäer genannt. Maimonides unterscheidet jedesmal, .wenn er diesen Volksstamm nennt, zwischen Chaldäer und Chasdäer, als wenn dies zwei verschiedene Völker wären, da dies im Grunde nur zwei verschiedene Formen für einen und denselben Volksnamen sind (hebr. □כשדי, griech. u. latem. ddctlog, Chaldaeus). Doch scheint dies ein herrschender Irrthum bei den Arabern gewesen zu sein, wie wir dies auch bei Dimeschki und Ihn Abi-Osseibiah bemerkten, (Vgl. hierüber unsere Bemerkung in dieser Monatsschrift 1860, S. 306.) Fr&nkel, Monatsschrift. XI. 5. 15