Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 9)
- Language
- German
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182 Dr. Bernhard. Beer. erdrückenden Schmerz höheren Orts zur Kenntniss zu bringen. Prinz Johann war am vorigen Landtag als hochherziger Menschenfreund für die Juden Sachsens eingetreten; ich suchte eine Audienz nach und stellte dem hohen Herrn das Betrübende der Lage der israelitischen Gemeinde vor, die so lange in ihren gerechten Hoffnungen vertröstet wurde und sich, da sich ihr eine bessere Zukunft aufthun soll, wieder in einen Hecht und Humanität verspottenden Zustand zurückversetzt siehet. ״Und die von mir vertretene Gemeinde hat nur Eines, worauf sie ihren Anspruch begründet: das Recht, das auch im Schwachen geehrt werden muss." Der hohe Herr entliessmich mit den Worten: ״Ich werde mit meinem Bruder, dem Könige, über diese Angelegenheit sprechen." — Auch dem Minister v. Ifostiz und Jänckendorf stellte ich in dringenden Worten die unbegrenzte Bestürzung der Gemeinde vor, und machte namentlich auf die Härte des bestehenden Gesetzes aufmerksam, das den Juden das Meisterrecht• zu erlangen nicht gestattet. ״Der Staat spricht bei jeder Gelegenheit die Absicht aus, die jüdische Jugend vom Schaeher ab- und dem Handwerke zuzuführen, und räumt dem Juden nicht die Befugniss ein, ein Handwerk auszuüben." ״Aber sie können es doch im Auslande üben?" ״Ew. Excellenz sind Familienvater," fragte ich, und als dieses bejahet wurde, fügte ich hinzu: ״Würden Sie in dem Gedanken Beruhigung finden, Ihren Sohn in Künsten und Wissenschaften in der alleinigen Aussicht erziehen zu lassen, dass Sie ihn einst werden von sich weisen müssen, er Sie einst als die Veranlassung seines Umherirrens in der Fremde ansehe, da er in seinem Vaterlande durch die von Ihnen ihm gegebene Erziehung keinen Wirkungskreis findet, der Vater die mittelbare Ursache ist, dass er aus Vaterhaus und Vaterland hinausgestossen wird? Und der Jude, wo findet er ein neues Vaterland, welcher Boden nimmt ihn freundlich auf?" Der Minister war bei diesen Worten gerührt, äusserte, er habe das Elend der jüd. Jugend nicht in solcher Weise gedacht, und gab mir die tröstende Versicherung, es werde noch auf diesem Landtage eine Gesetzesvorlage an die Kammern in Betreff der