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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 5 · p. Seite 180

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 5
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 180 (sequence 7)
Language
German
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Dr. Bernhard Beer. 180 sicht auf eine neu anbrechende Aera hatte eine hehre Begeisterung geweckt, und es wurden 10,000 Thlr. durch Actien gezeichnet. Nicht wenig fühlte man sich ermuthigt durch einen Akt des Cultusministeriums, der laut bekundete, mit welchem Ernste man höheren Orts an die Hebung der religiösen Interessen gehe. Die Stelle eines Oberrabbiners war .durch Tod vacant geworden, und das Cultusministerium drang, ohne die Wahl in irgend einer Weise beeinflussen zu wollen, auf die Vocation eines, mit der den' Zeitbedürfnissen entsprechenden Bildung ausgerüsteten Mannes. Aber die an Anzahl nicht beträchtliche Gemeinde wies nach ihr Unvermögen, einen entsprechenden Gehalt aufzutreiben. Der Cultusminister Dr. Müller stellte hierauf in einem zu Ende des Jahres 1835 bei dem König und dem Prinzen Mitregenten gehaltenen Vortrag den Antrag, der israelitischen^ Gemeinde einen jährlieben Beitrag aus Staatsmitteln zu ihren Cultuszwecken zu bewilligen. Der König und der Prinz Mitregent decretirten den Beitrag. Die Gemeinde schritt nun zur Wahl eines Oberrabbiners; sie fiel auf mich; das Cultusministerium genehmigte die Wahl und liess zu Beginne des Jahres 1836, in conseqaenter Verfolgung des Princips der Auerkennung des israelitischen Cultus, die Vocation an mich ergehen. — Auch zum Baue einer gemeinschaftlichen Synagoge munterte dieses Ministerium auf; nur standen hier ältere Gesetze vom Jahre 1718 und 1772 entgegen, die ״den Juden weder einen öffentlichen Cultus noch einen Ankauf von Immobilien gestattetenund sie aufzuheben bedurfte es der Einwilligung der Kammern. Die Juden gingen nach so vielen ihnen gewordenen Anzeichen der wohlwollenden Gesinnung der Staatsregie־־ fung mit frohem Muthe dem neuen Landtage entgegen. Doch welche schmerzliche Enttäuschung harrte ihrer! Der Landtag wurde eröffnet, die Thronrede verkündete die Gesetze, die den Ständen werden vor gelegt werden: die Vorlage des am letzten .Landtage, von den Ständen beanfragten Gesetzes hinsichtlich der bürgerlichen Stellung der Juden, wurde vermisst. In einem königl. Decret (13. Nov. 1836) wurde erklärt: ״die von der Staatsregierung ver-

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