Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 3)
- Language
- German
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176. י ' Di•. Bernliard Beer. J ' bilden seinen Acker, die Ausfuhr. und hierdurch der Handel .sein Gewerbe. Der •Sachse ist also eigentlich Kaufmann, und es tritt bei ihm hervor, was schon seit jenem, seih Schiff vor den Augen des ihm folgenden Hörners versenkenden Phönicier, den Kaufmann •scharf markirt: die Concurrenz ist ihm das stärkste Schreckgespenst.׳ Nur erblickt der Sachse dieses Gespenst auch in den kleinsten Verhältnissen; und im Juden trat es ihm in seiner gab- '■'z'en Widerhaarigkeit-entgegen, da er .sich mit dem Gedanken ängstigte, die Juden sind ״ein Handelsvolk.“ Wird nun aber einmal ein Schreckbild erblickt, so ist die Phantasie geschäftig, es mit den erdenklichsten Abnormitäten auszustatten, und wandelt das Naturwüchsige und Naturgemässe zum Naturwidrigen um. Daher wurde von maneher Seite die mindere Sittlichkeit der Juden vorgewendet; gehet man auf die Sprecher zurück, so gehörten sie dem Gewerbestand an: das Concurrenzgespenst hatte ihnen dieses Phantom vorgespiegelt. Auch der Vorwurf gegen die Religion der Juden־ ging aus diesem Brennpunkte hervor; aber er liess sich immer schwächer und schwäeher vernehmen, bis er ganz verhallte und nur Aeusserüngen der Achtung hörbar wurden. Der Sachse kennt überhaupt nicht religiöse Intoleranz; sie widerstrebt seinem Gefühle. In .Sachsen ist Bildung heimisch, sie hat fast in jeder Hütte ihren Sitz aufgeschlagen, nicht selten siehet man sich in einem sächsischen. Bauerhäuschen von dem Anblick einer kleinen ausgewählten Bibliothek überrascht! Der Sinn des sächsischen Volkes ist gesund und frisch, es forscht und prüft nach eigenem; Urtheile; Fanatismus und Glaubenshass sind selbst den unteren Ständen fremd. — In dem Anträge, den jüdischen Cultus unter das ■Gultusministerium zu stellen, lag eine Manife- Station dieses gebildeten toleranten Geistes; und Sachsens Staatsregierung Hat das Problem der Anerkennung der jüdischen Confession in der würdigsten .Weise gelöset. Werfen wir überhaupt einen Blick auf das-Verhalten der verschiedenen Staaten dem Judenthum 6 als Confes- Sion gegenüber, so begegnen wir fast nirgends einer aus einem entsprechenden Principe hervorgegangenen Praxis.