Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Entlassung dreier zu Rabbinen herangebildeten Hörer des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
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des jüd.-theol.'Seminars zu'Breslau.' 169 fürchtete oder, wir können besser sagen, man sah vorans, dass mit der Bildung eines eigentlichen religiösen Amtes die Lehre sich in Einzelnen gewissermassen monopolisire. Die Lehre aber soll den Principien des Judenthums gemäss frei sein, sie soll Gemeingut des. Volkes, oderj um mit einem, talmudischen. Autor zu reden, ״eine Krone sein, nach der Jeder greifen könne.“ Von diesem Gesichtspunkte aus war man bestrebt, statt dem Entstehen,eines die Lehre in sich absorbirenden und ihr eine Sonderstellung anweisenden Amtes Vorschub zu leisten, das Volk vielmehr auf sein eigenes• Gewissen zu stellen und es im־ Gebiete des Glaubens und der Lehre im eigentliebsten Sinne des Wortes selbstherrlich zu machen. In wie entschiedener Weise diese Unabhängigkeit der Lehre wie des Volkes in der älteren Zeit des Judenthums durchgeführt wurde, dafür führen wir nur das eine Beispiel an, dass ein einziger Lehrer an einem einzigen Tage 3000 Schülern die Semicha ertheilt haben soll. Neben diesem die Lehre verallgemeinernden Verfahren trat auch noch eine andere Massregel der Ausbildung eines ״geistlichen Amtes“ in den Weg. Man verordnte durch strenge Verwarnung, die Lehre nicht für den Broderwerb ausgiebig zu machen. Die Lehre sollte ״weder eine Krone sein, um damit zu glänzen, noch ein Spaten, um damit zu graben“ — ein Grundsatz, der in der älteren Zeit allgemein durchgeführt, aber auch noch im Mittelalter grösstentheils festgehalten wurde. Maimonides eifert in strengen Warten nicht bloss gegen die Lehrer, die ihr Lehr- und Riehteramt zu einer ihren Unterhalt bestreitenden Pfründe herabwürdigten, sondern auch gegen die Schüler, die während ihrer Studienzeit Unterstützung annähmen und nicht lieber durch anderweitige Thätigkeit ihren Unterhalt zu gewinnen suchten. Er weiset sie hin auf die Lehrer des Alterthums, auf Hillel, der ein Holzspalter, auf Karna, der ein Wasserschöpfer gewesen, wie auf Andere, die einer staunenswürdigen Mässigkeit sich befleissigt, aber den Broderwerb durch die Lehre verabscheut haben. Diese Grundsätze mussten allerdings späterhin aus zwingender Nothwendigkeit aufgegeben werden. Ein Schriftsteller des