Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / -d-
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Recensionen und Anzeigen. Völker auf den Schlachtfeldern mit den Waffen handeln, sitzen sie in ihren Trödelbuden und bieten alten Plunder feil. Sie werden bald an diesen, bald an jenen geistlichen oder weltlichen Herrn verschenkt, werden hier wie wilde Thiere verjagt, dort wie eine Schaf beende, die eine reiche Schur verspricht,, aufgenommen, aber nur, um nach geschehener Plünderung weh ter gejagt zu werden. Das ist wesentlich die Summe der ge- Schichthöhen Ereignisse, die hier vor sich gehen. Dem ernsten Manne wird dies Geständniss kein Titelchen des Interesses rauben, das er für diese dunkele Geschichte'empfindet. Wer es weiss, wie in der Geschichte Grosses und Kleines zusammenhängt, wird auch das Kleinliche seiner Beachtung für würdig halten. Wer die jüdische Literatur, die kein äusserer Druck ersticken konnte, erkennen will, wird jene ausseren Verhältnisse nicht unbeachtet lassen dürfen, denn Literatur und Geschichte, Poesie und sociale Zustände bedingen und beeinflussen einander. Wer es liebt, die Gegenwart aus der Vergangenheit zu erklären, wird die Quelle für viele Eigenthümlichkeiten der heutigen Juden, für ihre Vorzüge und ihre Fehler in diesen Urkunden finden, und wer die Standhaftigkeit seiner Vorfahren nicht allein im leidenschaftlichen Opfermuthe der Todesstunde, sondern auch in den vielfältigen, unablässigen Plagen eines langen, harten Lebens bewundern lernen will, der wird aus diesen Regesten erkennen, dass sie unter Hohn und Spott, in blutigen Verfolgungen und philisterhaften Plackereien, verzollt wie das Schlachtvieh, ausgeschlossen von allen ehrlichen Gewerben, mit Auszeichnungen versehen für die Neckereien des Strassenpöbels, ihre Religion und ihre Lebenskraft bewahrten, dass sie nicht allein als Juden sterben, sondern, was mehr ist, als Juden leben konnten, Bemerkenswerth sind noch zwei ausführliche Abhandlungen des Verfassers über R. Mei’r aus Rothenburg und dem von Ruprecht von der Pfalz zum Hochmeister der Juden ernannten Meister Israel. Interessant ist ferner eine Eidesformel für Juden vom Jahre 1312, humaner als manche der neuesten Gesetzgedungen. Zu der Schlussformel: ״als helfe mir Adonay und die E' die Gott gab M'osi auf dem Berge zu Sinai," hätte bemerkt werden können, dass E' die 5 Bücher Mosis bedeute. Bei einigen Urkunden ist die Quelle nicht angegeben worden.