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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 4 · p. Seite 142

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 4
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 142 (sequence 22)
Language
German
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142 Dr. Bernhard Beer. gezogen zu den lebendigen Offenbarungen dieses Geistes, zu dem Umgänge mit gebildeten und gelehrten Männern. Fern von jener stolzen Gelehrsamkeit, die wohl dahingeschiedenen Grössen Achtung zollt, in den Mitlebenden aber nicht Grosses erkennen will, hatte Beer ein offenes Auge für jede wissenschaftliche Kundgebung, war er durch die in ihm sich in seltener Weise durchdringende Vereinigung von Geist und Gemfith stets geneigt, jedes Verdienst anzuerkennen und nahm mit inniger Freude jede sich ihm darbietende Gelegenheit wahr, sein Wissen wenn auch nur mit einem Goldkörnchen, zu vermehren. Mit Rührung erinnern sich Alle, die mit dem Edlen Umgang pflegten, seiner ungemeinen Anspruchslosigkeit, ist ihnen unvergesslich, wie er für jede Aeusserung Ohr war, jeder Ansicht Gerechtigkeit widerfahren liess, und nur schüchtern, nachdem das Für und Gegen durchsprocheh war, mit seiner Meinung hervortrat, die in den meisten Fällen von solcher Gediegenheit des Wissens und Reife des Urtheils zeugte, dass man mit Erstaunen auf den bescheiden zurückhaltenden Mann blickte. Aber noch blieb eine Lücke auszufüllen. Beer’s Geist suchte und fand Befriedigung in den von Verstorbenen und Mitlebenden aufgehäuften Speichern des Wissens, zu denen Selbstgeschaffenes hinzulegen er sich allmälig berufen fühlte. Doch sein tiefes Gemüth konnte hierin nicht vollständige Beschwichtigung finden: er ■verlangte nach einem ihm gleichgestimmten Wesen, das seine höheren Bestrebungen erkennend und theilend mit ihm durch das Leben gehe. Die Vorsehung gewährte ihm die Erfüllung dieses Wunsches. Er lernte im Jahre 1833 die hochgebildete Bertha Bondi, eine Tochter seiner Vaterstadt, kennen, und bald hatten sie. sich gegenseitig gefunden. Am 13. Juli 1834 wurde im stillen Kreise die Vermählung gefeiert, an die sich sieben und zwanzig Jahre der glückliebsten Ehe knüpften. Seine Gattin war ihm stets die treueste Freundin und die treueste Rathgeberin; ihr theilte er nicht nur die Angelegenheiten des Herzens mit, die geistreiche Frau prüfte auch mit ihm die Schöpfungen seines Geistes. Vertraut mit den Werken deutscher Mei-

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