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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 4 · p. Seite 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 4
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 143 (sequence 23)
Language
German
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Dr. Bernhard Beer. 143 ster und nicht minder heimisch auf dem Gebiete der neuern fremden Literatur , hatte ihr Geschmack sich zu jener ästhetischen Classicität herangebildet, die das Schöne gleichsam herausfühlt und nur an der geistig vollendeten Form Gefallen findet. Durch sie wurde das Haus Beer’s der Mittelpunkt vieler Gebildeten. Wissen und Gemüthlichkeit des Gatten, der liebenswürdige und geistreiche Umgang der Gattin liessen den Zutritt zu dieser Stätte, deren Eingang die Aufschrift ״Gastfreundlichkeit“ trug, Jedermann als wünschenswert!! erscheinen. Hier war jeder Gebildete willkommen; Gutzk0w, B erth01 d Auerbach, Julius Hammer kehrten gern hier ein, und selten verliess ein Fremder Dresden, ohne dieses Haus aufgesucht zu haben, in welchem ihm Geschmack und Bildung in Verein mit der herzlichsten Freundlichkeit entgegenkamen. Bald wurde Beer von seinen Studien ab- und zu erneunter Thätigkeit auf politischem Gebiete aufgerufen. Der Landtag von 1836—37, der die Entscheidung über die bürgerliche Stellung der Juden verhiess, nahete. Ein für den Staat wichtiges Ereigniss war inzwischen eingetreten: König Anton ging im Frühling des Jahres 1836 mit Tode ab, und der Milregent Friedrich August bestieg nun als König den Thron. Was dieser Fürst seinem Volke war, wird jedem Sachsen unvergesslich bleiben; seinem Bewusstsein, das Beste seines Volkes allein zu wollen, kam aus jeder redlichen Brust das anerkennende Bewusstsein dieses Willens und des kräftigen Strebens, ihm Wirklichkeit und Ausführung zu geben, entgegen. Die sein Herz tief verwundende Aufregung des Jahres 1849 vermochte nicht, den edlen Fürsten an seinem Berufe irre zu machen; er gehörte noch ferner seinem Volke an, das seinen Gefühlen Ausdruck gebend, ihn den ״Gütigen“ benannte. Und in dieser Benennung wird er in den Herzen der Juden Sachsens leben, denen sein königlicher Wille endlich die vollständige Emancipation herbeiführte. Doch wir wollen den Ereignissen nicht vorauseilen und werden dem allmäligen Heranreifen dieser Emancipation und anderen sich daran knüpfenden Umgestaltungen folgen. (Fortset7A1ng folgt.)

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