Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 21)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. 141 Mann kehrte wieder zu seinen Studien zurück. Wir hegleiten ihn dorthin, um Einiges zu registriren, das für ihn als Menschen und Gelehrten vom nachhaltigsten Einflüsse war. Beer hatte bisher nur eine Freundin gehabt, an. deren Brust er heran gewachsen und die er wieder seinerseits mit der hingehendsten Liebe pflegte: die Wissenschaft. Unersättlich in seinem Durste nach Wissen, nahm er mit Heissgier jede neuere literarische Erscheinung auf, und las und durchlas die gehaltvollen Werke früherer Zeit. Philosophie, Geschichte und biblische Exegese waren seine Lieblingsstudien; seine Vertrautheit mit der Philosophie des Mittelalters, vorzüglich mit der Religionsphilosophie jüdischer Autoren dieser Periode dürfte mit Recht als unübertreff bar bezeichnet werden. Seinem forschenden Geiste kam ein Erstaunen erregendes Gedächtniss zu Hülfe, oder vielmehr sein Gedächtniss war der natürliehe Ausfluss seines tiefen Forschens; was er gelesen, war seinem Gedächtnisse tief eingeprägt, weil er an jede Lectüre eingehendes Forschen knüpfte. Daher bei ihm mehr Sachals Wortgedächtniss; er suchte den Autor nach seinem inneren Gehalt, nach den Mani• festationen auf dem Gebiete des Geistes zu erfassen, obwohl er auch den Lebens- und Zeitverhältnissen des Autors, den Jahreszahlen u. s. w. Rechnung trug und sich auch hier ungemein orientirt zeigte. War ihm nun das tiefere Eingehen, das sich Versenken in den Geist der Lectüre Bedürfniss, so musste natürlich der Lectüre he- . deutenderer Werke längere Zeit gewidmet und daher der bleibende Besitz solcher Werke angestrebt werden. So entwickelte sich in Beer aus wahrhaft geistigem Interesse der Wunsch, eine Büchersammlung anzulegen; seine später berühmt gewordene Bibliothek, zu der Bausteine zusammenzutragen er zeitlich begonnen hatte, war nicht auf Basis der Bibliomanie, sondern auf reellem Forschen und dem Verlangen nach steter geistiger Umgebung aufgebauet. In dem nun fortgesetzten reichlichen Schöpfen aus diesen Quellen lernte er mehr und mehr den menschliehen Geist in seiner Grosse und selbst in seinen Irrthümern bewundern; doch fühlte er sich nicht minder hin-