Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bernhard Beer. 135 sätze enthalten sind, •welche die reine Demokratie predigen und dem monarchischen Staate gefährlich sein sollen. Wer gewährt hier eine Garantie gegen einen Missbrauch der Christen? In der That bedarf es sonach einer weiteren Garantie von Seiten der Juden auch nicht; sie werden den Gesetzen unterworfen sein, nach den Gesetzen behandelt und nach den Gesetzen bestraft werden, wenn sie sich eines Verbrechens schuldig machen. — Ein anderer Punkt betrifft die Moralität, und in fast allen Petitionen ist ihnen hierüber keine Lobrede gehalten, sondern gesagt worden, sie ständen in der Moralität weit unter den Christen. Ich möchte aber doch bemerken, dass diese Moralität im Allgemeinen sich nicht auf so geringer Stufe befinden könne, da in voriger Sitzung mehrere Redner sogar behauptet haben, die Moralität der Juden sei grösser als die der Christen. Das ist ein grosser Widerspruch, und wenn ich auch letzteres zur Ehre der Christen nicht glauben will, so kann ich doch annehmen, dass die Moralität der Juden unter gleich gegebenen Verhältnissen ebenso gross ist, wie die der Christen. Diese Moralität, sollten die Juden auch noch jetzt zurück sein, wird sich nach der Emancipation immer mehr und mehr heben. Es ist ein Trugschluss, dass die Emancipation keine Vortheile für die Moralität habe. Hier muss ich mir erlauben, Ihnen Thatsachen anzuführen; denn es wäre vergehens, mit den Waffen der Theorie gegen die Behauptung factischer, wirklich geschehener Dinge anzukämpfen. Ich beginne mit Holland. Im J. 1796 wurden die Juden in Holfand emaneipirt.. Bis zum J. 1806 verhielt sich in Amsterdam die Bevölkerung der Juden zu den Christen wie 7I״ zu %0• Von den Verbrechern, welche Amsterdam den Gerichten lieferte, waren damals noch % Juden, also Verhältnisse massig mehr jüdische als christliche Verbrecher. Aber schon im Jahre 1806 hatte sich das Verhältniss so geändert, dass nur noch' 1/!3 jüdischer Verbrecher vorkamen, und heutzutage sind nur 1/20 der Verbrecher Juden, also gerade die Hälfte der Zahl, welche nach dem Massstabe der Bevölkerung verhältnissmässig sein würde. In Bezug auf Frankreich — und wer könnte besser über die Fort-