Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. 131 : selbstgezogenem Getreide steckt mehr Segen. — Wer falsch schwört, ist dem gleich, der den wahren Gott verleugnet. '—•־' Wer Ungerechtigkeit übt, ist dem Ewigen, seinem Gott, ein Greuel u. dgl. m.“ Ueberhaupt muss man den Talmud im Zusammenhang und philosophisch beurtheilen. Man muss bedenken, dass der Talmud zu einer .Zeit aufgenommen wurde, wo weder Philosophie noch Bildung auf einer solchen Stufe standen wie heute und wo. auch der Druck der Zeitverhältnisse stark einwirkte. Es sind im Talmud religiöse und moralische Wahrheiten, ja selbst die gewöhnlichen Verhältnisse des Lebens in Parabeln und orientalischen ■Hyperbeln vorgetragen. Man muss den Talmud aus einem höheren Gesichtspunkt auffassen und nicht einen Schluss .aus dem Einzelnen ziehen. Im Talmud ist wenigstens eben so.viel Gutes und Treffliches zu finden als Anstössiges. —׳ Ein grosses Gewicht hat der Abgeordnete darauf gelegt,: dass man einen neuen Brand unter das Volk werfen würde. Ich schätze das sächsische Volk zu hoch, als dass ich, wenn man einen Act der Gerechtigkeit und Menschlichkeit ausübt, dies befürchten’sollte. So weit ist doch wohl die Intelligenz und Cultur vorgeschritten, dass dergleichen Ausbrüche nicht zu befürchten sind. — Er sagt ferner, die Nachtheile für Handel und Gewerbe seien bekannt, wenn die Emancipatiön der Juden stattfände. Ich habe aber immer geglaubt, dass es nützlich für den Handels- und Gew erbstand, nützlich für das Publikum sei, wenn eine grössere Concurrenz herbeigeführt würde. Es׳ sind übrigens nur 800 Juden in Sachsen, und wenn diese sich unter die verschiedenen Zweige des Handels und der Gewerbe, den Ackerbau mit eingeschlossen, vertheilen, so kann dadurch kein Druck für die Uebrigen entstehen. — Im Ganzen muss ich mich dagegen erklären, dass der Antrag an die Regierung an Bedingungen (Beschränkungen) geknüpft werde. Es gilt jetzt, eine Forderung zu genehmigen, welche Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Billigkeit mit gleicher Stärke an uns machen; die Erfüllung dieser Forderung ist Sache der Klugheit. Klug ist es und zum Vortheile des Staates gereichend, alle Kräfte in die