Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Dr. Bernhard Beer. Gegenstand gedacht und gesprochen und der Welt ihre Ansichten mitgetheilt haben, sind darüber einig; ich nenne ausser Luther nur noch Mascow, Justi, J. Henig, Böhmer, Lessing, Herder, Klopstock, Dohm. Diese Heroen unserer deutschen Literatur und Wissenschaft haben sämmtlich für die Juden geschrieben und gewirkt. — Ferner haben schon die deutschen Reichsgesetze auf denselben Zweck hingedeutet, schade nur, dass sie nicht zur Ausführung gelangt sind. In der Reichspoliceiordnung von 1530 (Tit. 27, § 12) wird gesagt: ״Damit sie .... ihre Leibesnahrung haben mögen; wer denn Juden bey ihm leiden will, der soll sie doch dermassen bey ihm behalten, dass sie sich des Wuchers und wueherlichen Kaufs enthalten, und mit ziemlicher Handthierung und Handarbeit ernähren, wie eine Obrigkeit dasselbe einem Unterthanen und dem gemeinen Nutzen zum Besten und Träglichsten zu sein ans eben und ermessen würde.“ — Ich gehe nun zur Widerlegung über, und da weiss ich nicht, wie tief ich in das eingehen darf, was von den Rednern vor mir gesprochen wurde. Der erste Redner beziehet sich zuerst auf die öffentliche Meinung. Es würde aber keine Regierung im Stande sein, irgend einen Gesetzentwurf vorzulegen, es würde zur offensten Demokratie oder Anarchie führen, wenn die Gesetzgebung sich unbedingt blos nach der gemeinen Ansicht der Sache oder der sogenannten öffentlichen Meinung richten müsste. Der Sprecher hat getadelt, dass Bentham ein oberstes Princip in der Gesetzgebung aufstelle, sucht aber ein solches selbst auf und findet es in der öffentlichen Meinung. Dagegen findet Bentham das oberste Princip in der Nützlichkeit und behauptet, dass das, was der Mehrheit im Volke nützlich und vortheilhaft sei, sich gesetzlich empfehlen lasse. Wie vorsichtig man aber bei Erforschung der öffentlichen Meinung vorzugehen und welchen Werth man der Meinung einer Anzahl Betheiligter beizulegen habe, sagt Bentham selbst in der im Bericht angeführten Stelle. Die Grundsätze dieses Mannes haben nicht allein in England, sondern auch in Frankreich, Neapel, Spanien, neuerdings in Preussen und mehreren anderen Ländern grosses