Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. .127 geschi’ieben und darin die Resultate der Berathungen und Beschlüsse Ihrer Deputation niedergelegt. . Die Deputation ist von dem Bestreben ausgegangen, solche Ansichten über diese Frage auszusprechen, welche nicht blos heute an-' klingen, sondern die noch nach zehn, noch nach hundert Jahren als gültig anerkannt werden können. Die Aeusserungen, welche gleich Anfangs dagegen ausgesprochen wurden, haben mich in der That mit tiefer Wehmuth erfüllt. Ich gebe zu, dass es Sache der Ueberzeuguiig sei, ich beklage aber, dass noch im 19. Jahrhunderte solche Ueberzeugungen gehegt und ausgesprochen werden. Blicken Sie um sich, m. H., lesen Sie, was Deutschland, was Europa über die grosse Frage, welche uns vorliegt, denkt und schreibt, und bedenken Sie, dass das, was heute gesprochen wird, innere Wahrheit haben muss, wenn es noch nach Jahrhunderten als richtig bestellen soll. — Ich erlaube mir zuvörderst, darauf aufmerksam zu machen, dass, wie ich glaube, wir heute nicht erst ein neues Werk beginnen, sondern nur fortsetzen, was seit dreihundert Jahren begonnen und nur in den Zeitläuften sich auszubilden verhindert wurde. Ich erinnere an die Aussprüche der grössten Männer unserer Nation, vornehmlieh an Luther. Dieser sagt in seinem Werke, dass Cliristus ein Jude sei, Wittenberg 1523, Folgendes: ״Item, was man ihnen verbeut zu arbeiten und zu handthieren, und andere menschliche Gemeinschaft zu haben, da man sie zu wuchern treibt, wie sollte sie das bessern? — Will man ihnen helfen, so muss man christliche Liebe an ihnen üben und sie freundlich annehmen, mitlassen werben und arbeiten, damit sie Ursach und Raum gewinnen bei uns und um uns zu sein, unsere christliche Lehre und Leben zu hören und zu sehen. Ob etliche halsstarrig sind, was liegt daran? sind wir doch auch nicht alle gute Christen.“ Hinter dieser Meinung unseres grossen Reformators wollen wir doch nicht Zurückbleiben! Sollen drei Jahrhunderte nur darum verflossen sein, um uns heute, im Jahrhundert der Cultur und Aufklärung, hinter jenen Ansichten einer vielbewegten und befangenen Zeit zurückzustellen? Alle grossen Männer, welche über den vorliegenden