Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829276-2829281-2858383--06639-2858421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Dr. Bernhard Beer., 123 \ V achtet zu lassen, dass, seit äreissig Jahren von Jahr zu Jahr weniger Untersuchungen gegen die Israeliten in Dresden stattgefunden haben. Ich muss gestehen, dass ich in dieser Beziehung kein Bedenken trage, auszusprechen, dass die Rechtlichkeit der Juden sehr gestiegen ist. Betrachten Sie den Israeliten in seinen häuslichen Verhältnissen, Ehescheidungen finden sich selten. Ferner muss ich erwähnen, dass ich glaube, dass wir unter den Israeliten hier sehr wenige Kinder zählen werden, die man ohne Schulunterricht herumlaufen lässt; ich glaube vielmehr, dass in •manchen christlichen Gemeinden sich ein schmerzlicheres Resultat ergeben müsste. Wenn nun die Juden bei allen Hemmnissen, welche ihnen entgegenstehen, soweit vorgeschritten sind, so sollte ich doch glauben, dass sie einen Anspruch haben, dass man ihnen ■nicht so schroff entgegentrete. Nun aber der Hauptpunkt, und das ist der Vorwurf, den man auf sie häuft, dass sie lie derlichen (!) Handel betrieben und sich anderen Ge werben nicht hingeben wollen. Das beantwortet sich aber von selbst, indem man ihnen bis jetzt den Zutritt zu den Letzteren nicht zuliess. Uebrigens mögen. Sie die fünf Bücher Mosis,nehmen, wie Sie wollen, Sie finden nirgends, dass der Jude auf den Handel hingewiesen ist, sondern vielmehr auf Ackerbau und Viehzucht." — ״ Aber man dürfe," wie er ausführte, ״durch die Humanität sich nicht bestechen lassen und die gesetzgebende Klugheit auf die Seite setzen; daher müssen Beschränkungen hinsichtlich des Handels, des Erwerbes von Grundstücken u. s. w. gemacht werden""). In der Beschränkung der Humanität durch Klugheit lag das eigentliche Glaubensbekenntniss dieser Gruppirung, sie wollte es mit keiner Partei verderben, wollte den besseren für die Juden sich erhebenden Männern und nicht minder der gegen die Juden sich aussprechenden sog. öffentlichen Meinung Rechnung tragen: sie wollten human und klug zugleich sein. — Diese Meinung theilte auch der königliche Commissarius, nur gab er ihr andern Ausdruck und andere Motivirung: ״Die *) Vgl. Ausserordentliche Beilagen fT. S. 2989—29i-3. 10*