Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Dr. Bernhard Beer. Angelegenheiten der Juden ernannt ־wurde. Sein Bericht auf dem Landtage 1833—34 wurde auch von den Gegnern . als den Gegenstand nach allen Richtungen erschöpfend anerkannt־, seine bei dieser Gelegenheit in der Kammer gehaltene Rede darf den bekannten Reden von Mirabeau und Macaulay für die Emanzipation der Juden, an die Seite gestellt werden'“'). Wir wollen zur besseren Orlentirung die Kammergruppirungen in dieser Angelegenheit in einigen Umrissen verzeichnen. Einige Redner führten die ״moralische Verbesserung“ der Juden unaufhörlich im Munde und meinten, diese müsse jeder bürgerlichen Verbesserung vorangehen; so lange sie nicht erfolge, habe Alles beim Alten zu verbleiben. . Diese Ansicht fand zumeist ihre Vertretung in den. Abgeordneten der kleinen Eabrikstädte, die in unbewachtesn Augenblicken den sie eigentlich bewegenden Gedanken hervortreten Messen, durch eine verbesserte Stellung könnten die Juden den Handel Sachsens an sich reissen, und es dürfen die Christen in ihren wohlerworbenen, Andere ausschliessenden Rechten nicht beeinträchtigt werden. — Andere Abgeordnete wollten zwar eine Verbesserung der Lage der Juden zugeben, aber es müssen enge Grenzen gesteckt werden; der Gedanke an eine vollständige Emancipation darf auch von ferne nicht aufkommen. Diese Männer waren, ihren Aeusserungen nach zu urtheilen, von der Gerechtigkeit der in der von Beer verfassten Petition aufgestellten Forderung vollständig durchdrungen; das Verlangen einer ״moralischen Verbesserung“ schien ihnen auf falscher Prämisse beruhend. ,,Ich muss zur Ehre der Juden Sachsens sagen,“ meinte der Stimmführer dieser Partei, ״dass sie sich, es wurde schon vorhin von einem Redner erwähnt, durch Moralität auszeichnen, dass sie nicht so viele, uneheliche Kinder erzeugen, als die. Anderen. Im vorigen Jahre war kein einziger derartiger Fall in Sachsen vorgekommen. Es ist auch nicht unbe- *) Ueber Bericht und Rede des Dr. v. Mayer, sowie die hier weiter folgenden Mittheilungen vgl. Ausserordentliche Beilagen zur Leipziger Zeitung, März 1834. ,